Hannover Der frühere niedersächsische Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf (1893-1961) ist durch seine Verwicklungen in die Besatzungspolitik der Nationalsozialisten schwer belastet. Zu diesem Ergebnis kommt die Historische Kommission, das höchste geschichtswissenschaftliche Beratergremium im Land, in einem Gutachten über den ersten Regierungschef nach dem Zweiten Weltkrieg. Kopf sei heutzutage „kein Vorbild für eine politische Tätigkeit“ mehr. Er gelte als „moralisch-politisch belastet“, lautet das harte Urteil im Kommissionsbericht.

Die nach Kopf benannten Straßen und Plätze müssen laut Kommission dennoch nicht umbenannt werden. Die Experten begründen das unter anderem mit den Leistungen des SPD-Politikers für Niedersachsen. Kopf habe tätige Reue gezeigt und „sich rückhaltlos in den Dienst der parlamentarischen Demokratie gestellt“, heißt es in dem Bericht weiter.

Die Debatte war im Sommer aufgeflammt, nachdem eine neue Biografie Kopfs NS-Vergangenheit enthüllt hatte. Die Göttinger Politologin Teresa Nentwig hatte aufgedeckt, dass Kopf im Krieg das Vermögen geflohener Polen und Juden verwaltet hatte und sich daran bereichert haben soll. Unter anderem hatte sich daraufhin der frühere Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU) dafür ausgesprochen, den Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz vor dem Landtag in Hannover umzubenennen.

Das Landtagspräsidium hatte die Kommission gebeten, das Echo auf die neue Kopf-Biografie auszuwerten. Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) will Anfang Dezember im Ältestenrat des Parlaments über das Gutachten der Historiker beraten.

SPD-Fraktionschefin Johanne Modder (Bunde) forderte einen „breiten politischen und gesellschaftlichen Diskurs“ über Kopf. Er habe mit seiner Arbeit während des Zweiten Weltkriegs zweifellos Schuld auf sich geladen. Andererseits habe er unzweifelhaft Verdienste.

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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