Oldenburg Die Johanniter bereiten sich auf die Aufnahme von Flüchtlingen in der neuen niedersächsischen Erstaufnahmeeinrichtung im Kloster Blankenburg bei Oldenburg vor. Vom 1. November an sollen hier bis zu 800 Asylsuchende untergebracht und registriert werden, sagte der Einsatzleiter vom Johanniter-Regionalverband Weser-Ems, Stephan Siemer, am Freitag. Weitere Einrichtungen befinden sich in Bramsche, Braunschweig, Friedland und Osnabrück.

Lesen Sie hier eine Multimedia-Reportage über den Ortsverband Oldenburg der Johanniter

Das Hilfswerk will sich um die Sozialarbeit, die Kinderbetreuung und das Sanitätswesen kümmern. Für die Unterbringung, die Versorgung und die Ausstattung der Gebäude sei die Landesaufnahmebehörde zuständig. Die Neuankömmlinge sollen lediglich drei bis vier Wochen in der Einrichtung bleiben und dann auf die Kommunen verteilt werden.

„Wer wann genau kommt, werden wir erst wissen, wenn der Bus die Türen öffnet“, sagte Siemer. Die Johanniter werden beim ärztlichen Dienst Unterstützung leisten. Acht Sozialarbeiter sollen sich um die sonstigen Belange und Bedürfnisse der Flüchtlinge kümmern und Freizeitangebote machen. Der evangelische Pastor Holger Rauer aus der benachbarten evangelischen Kirchengemeinde Oldenburg-Osternburg plane ein seelsorgerliches Angebot. Dabei solle die Klosterkirche als Gebetsraum für alle Religionen genutzt werden.

Sach- und Kleiderspenden seien erst einmal nicht nötig. Allerdings suche er gebrauchte Nähmaschinen, sagte Siemer: „Ich möchte gerne ein Nähcafé anbieten.“ Erfahrungen zeigten, dass solche Cafés zu beliebten Kommunikationsorten werden können. Außerdem kümmerten sich die Johanniter um die Kinder. Für sie sollen vier Erzieherinnen in einer kleinen Turnhalle eine Betreuung anbieten.

Das ehemalige Dominikanerinnenkloster wurde im 13. Jahrhundert vor den Stadttoren von Oldenburg gegründet. Im Mittelalter wurde die fast 200.000 Quadratmeter große Anlage zunächst als Pesthaus der Stadt genutzt. Ab dem 17. Jahrhundert wurden dort „Wahnwitzige, Tolle und Rasende“ untergebracht, hieß es. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Anlage als psychiatrische Anstalt weitergeführt. In den 1930er Jahren unterhielten die Nazis dort ein Arbeitslager. Nach dem Krieg wurde erneut eine psychiatrische Einrichtung angesiedelt.

Von 1991 bis 2011 wurde die Klosteranlage als zentrale Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt. Zuletzt kam es immer wieder zu Protesten und Streiks der Flüchtlinge, die bessere Lebensbedingungen forderten. Etliche Flüchtlinge haben mehrere Jahre dort gelebt. Im Sommer 2011 wurde die Anlage aus Kostengründen geschlossen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.