Frage: Herr Gels, als Sie begonnen haben, in der Verwaltung der Stadt Vechta zu arbeiten, gab es einen Stadtdirektor und einen Bürgermeister. Jetzt gibt es nur noch einen hauptamtlichen Bürgermeister. Worin unterscheiden sich die Aufgaben?

Helmut Gels: Als Stadtdirektor war ich ausschließlich für die Leitung der Verwaltung verantwortlich. Dies hatte den Vorteil, dass die Verwaltung unabhängiger von der Politik war und ich bei der Umsetzung von Projekten nicht an die nächste Wahl denken musste. Ich bin ein großer Verfechter dieser Zweigleisigkeit. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung funktioniert.

Zur Person: Helmut Gels

Von 1993 bis 2005 war Gels Stadtdirektor in Vechta. 2005 wurde das Amt im Zuge der Systemumstellung in der Verwaltung abgeschafft.

Seit 2011 war Gels hauptamtlicher Bürgermeister in Vechta und wird an diesem Dienstag offiziell verabschiedet.

In einer Stichwahl wird an diesem Sonntag der Nachfolger gewählt.

Frage: Was hat sich mit der Abschaffung des Stadtdirektors verändert?

Gels: Die Eingangsvoraussetzungen für den Posten des hauptamtlichen Bürgermeisters sind anders. Der Bürgermeister ist Repräsentant und politisches Mitglied, aber auch Chef einer Verwaltung und muss Mitarbeiter führen können. In Diskussionen merke ich oft, dass diese Differenzierung nicht mehr getroffen und nicht mehr darauf geachtet wird.

Frage: Wie hat sich Vechta während ihrer Amtszeit verändert?

Gels: Was heraussticht, ist die Stadtentwicklung. 1993 hatten wir ungefähr 23 000 Einwohner, heute sind es über 35 000. Diese enorme Entwicklung der Stadt war nur möglich, weil die Mitarbeiter bereit waren, sich über das normale Maß hinaus einzubringen. Wir haben Stadtgebiete entwickeln können, wo früher Militärgebiete waren, und dort trotz kontaminierter Böden nicht resigniert. Zudem waren wir die Ersten, die eine komplett neue Öffentlichkeitsarbeit entwickelt und professionalisiert haben.

Frage: Was waren die Höhepunkte Ihrer Amtszeit?

Gels: Die Entwicklung der Großkonzerte ist einzigartig. 1998 haben wir mit Joe Cocker angefangen und viele fragten sich damals, ob wir überhaupt in der Lage sind, ein solches Event zu organisieren. Irgendwann wurde dies dann sicherlich zum Selbstläufer und wir sind heute als Konzertveranstalter gesetzt. Das haben wir uns aber auch verdient.

Frage: Welches Konzert ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Gels: Als Whitney Houston 1999 hier gespielt hat, wurden wir plötzlich weltweit als Konzertveranstalter wahrgenommen. Ich habe sie auch persönlich kennengelernt: Sie war entgegen dem Klischee total offen und natürlich. Als Whitney ihr Konzert gestartet hat, ging der Vollmond hinter den Bäumen auf. Sie unterbrach kurz und sagte: „Look the moon, I like Vechta“. Im Nachhinein wurde uns gesagt, dass dies das beste Konzert der Tournee war.

Frage: Werden Kommunalpolitiker heute öfter angefeindet als früher?

Gels: Die Bereitschaft, einfach drauf los zu schlagen und sich verbal äußerst extrem zu artikulieren, wird immer größer. Dies ist ein allgemeines gesellschaftliches Problem. Meine Familie war auch mehrfach betroffen, beispielsweise von Telefonterror oder als Böller auf unser Wohnzimmerfenster geworfen wurden.

Frage: Was werden Sie nach Ihrer Zeit als Bürgermeister vermissen?

Gels: Mein schönes Rathaus, das ich 2000 bauen lassen durfte und mich nach wie vor fasziniert, wird mir am meisten fehlen. Zudem bestand für mich immer ein Reiz darin, Ideen auf den Weg bringen zu können. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mir fehlen.

Frage: Wie ist Ihr Plan für die Zukunft?

Gels: Zunächst einmal möchte ich Abstand gewinnen und plane einen langen Urlaub. Unsere Ehrenbürgerin Schwester Regina setzt sich in Sambia dafür ein, Kindern eine Bildungsperspektive zu geben und das Krankenwesen voranzubringen. Dieses Projekt möchte ich unterstützen und damit einen Beitrag dafür leisten, dass Menschen nicht mehr gezwungen sind, zu flüchten.

Nils Coordes Redakteur / Newsdesk
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