Oldenburger Land 15 Schuss im Magazin, eine Patrone im Lauf, Halbautomatik, rund 700 Gramm schwer: Etwa 160 Euro muss man für eine Schreckschusspistole bezahlen, die sich selbst von Experten nur aus der Nähe als Nachbau einer scharfen Waffe entlarven lässt. Kaufen kann sie jeder, der 18 Jahre und älter ist. In der Öffentlichkeit bei sich tragen nur, wer einen sogenannten Kleinen Waffenschein besitzt.

Kommentar: Waffen besser zu Hause lassen

Seit Januar schnellt die Zahl der Anträge für den Kleinen Waffenschein in den Verwaltungen des Oldenburger Landes in die Höhe. Wer ihn bekommen möchte, der muss unter anderem ein sauberes Führungszeugnis haben.

Stand Freitag haben rund 200 Einwohner im Januar eine entsprechende Erlaubnis beantragt, eine Schreckschusswaffe auch außerhalb des eigenen Grundstücks bei sich tragen zu dürfen. „Die Ereignisse von Köln wirken nach“, sagt Timo Frers, Pressesprecher der Stadt Delmenhorst. Elf Scheine hat die Behörde seit Anfang Januar bereits ausgestellt, 14 weitere Anträge sind gestellt. Zum Vergleich: In zehn Monaten des vergangenen Jahres hat die Waffenbehörde der Stadt 25 Kleine Waffenscheine ausgegeben.

Viele Einwohner haben offenbar ein gesteigerter Sicherheitsbedürfnis, wollen sich im Falle eines Übergriffs verteidigen können. „Was da in Köln passiert ist, ist in den Köpfen sehr präsent“, sagt Stadt-Sprecher Frers. Einen bestimmten Typ Mensch gebe es aber nicht, der solch einen Antrag stellt. „Das ist ein ganz normaler Querschnitt“, sagt er

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in den übrigen Behörden des Oldenburger Landes ab. So sind im Kreis Vechta im vergangenen Jahr 25 Anträge bearbeitet worden. Dem gegenüber stehen jetzt schon allein 21 Anträge im laufenden Januar. Immer wieder heißt es nur: Köln. Öffentlich sagen möchte das jedoch kaum jemand.

Die Polizeidirektion Oldenburg rät davon ab, „sich durch die Beantragung eines Kleinen Waffenscheins und den Erwerb derartiger Waffen ein trügerisches Sicherheitsgefühl zu verschaffen“. Wenngleich die Polizei die Sorge, die dahintersteht, verstehen kann. Aber das Zeigen oder der Einsatz von Schreckschusswaffen könnte einen potenziellen Täter zusätzlich provozieren oder gar dazu veranlassen, eigene, möglicherweise auch scharfe Schusswaffen einzusetzen – und ihn noch aggressiver machen. Denkbar wäre auch, dass der Täter dem Opfer die Waffe entreißt und diese dann selbst einsetzt.

In Gefahrensituationen rät die Polizei deswegen dazu, den Notruf unter 110 zu wählen.

Tobias Schwerdtfeger Leitung / Regionalredaktion
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