Hannover In Hannover beginnt der Kampf um die Nachfolge für den scheidenden Oberbürgermeister Stefan Schostok. Bereits drei Tage nach dessen Rücktrittsankündigung präsentierten die Sozialdemokraten ihren Nachfolgekandidaten: Marc Hansmann, 48, Finanzvorstand beim Hannoverschen Versorger Enercity und von 2007 bis 2017 Kämmerer der Stadt.

Die Offensive soll ausdrücklich auch Schostoks Rathausaffäre vergessen machen, die die Stadtpolitik viele quälende Monate lang im Griff hielt. „Ich bin wild entschlossen, Schostok im Wahlkampf verblassen zu lassen“, sagte Hansmann bei seiner Vorstellung. Schostok war nach der Annahme seines Rücktrittsgesuchs durch den Rat am vergangenen Donnerstag in Urlaub gegangen. Voraussichtlich im November wird neu gewählt.

Bei der Hannover-CDU regt sich Hoffnung auf ein Ende der sozialdemokratischen „Monokultur“, wie es der gerade abgetretene CDU-Kreisvorsitzende und jetzige Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer sagt. Toepffer sieht endlich die Chance, Hannover zu „knacken“. Zumal der SPD-Kandidat genau für das System stehe, welches es aufzubrechen gelte. Hansmann war in seiner Rathauszeit auch mit jenen ungesetzlichen Zulagen für Beamte beschäftigt, die die Rathausaffäre auslösten. Und auch sein Wechsel in den Enercity-Vorstand werfe Fragen auf, sagt Toepffer.

Doch wer soll Hansmann herausfordern? Landesparteichef Bernd Althusmann hat klargestellt, dass er gern eine Frau sehen würde. Da fällt schnell der Name Mareike Wulf (40). Die in Rendsburg geborene und in Oldenburg aufgewachsene Wahl-Hannoveranerin sitzt seit 2017 als Fraktionsvize im Landtag.

Doch anders als Hansmann verfügt Wulf nicht über Erfahrung im Umgang mit Riesen-Behörden wie dem Hannoverschen Rathaus. Noch schlimmer: Wulf wird wenig Lust auf den Job nachgesagt. In der Partei munkelt man, dass sie bereits vor Monaten abgewinkt habe. Und Toepffer erklärt, man habe eher zu viele als zu wenig gute Kandidaten. Doch anders als die SPD solle ein Parteitag den Richtigen bestimmen.

Auch die Grünen haben sich noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt. In der Partei wird ebenfalls ein Landtagsabgeordneter hoch gehandelt: Der 38-jährige Belit Onay sitzt seit 2013 im Parlament, davor war er Mitarbeiter von Filiz Polat. Der Jurist gehört zu den Aktivposten der kleinen Fraktion und ist besonders bei Themen wie Innenpolitik und Migrationsfragen fit. Onays Probleme: Auch er hat kaum Erfahrung mit großen Apparaten, zudem ist er keine Frau. „Würde sich eine gute Frau bewerben, würde Onay sofort zurückziehen“, sagt ein Freund.

SPD, CDU und Grüne dürften die Sache unter sich ausmachen, andere Parteien chancenlos sein. Die FDP , die mit SPD und Grünen in Hannover in einer Ampel regiert, kokettiert zwar mit einem Kandidaten. Doch Hansmann gilt als FDP-kompatibel. Und die AfD, die den Bundestagsabgeordneten Jörn König ins Rennen schicken will, dürfte chancenlos sein.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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