Hannover Nach der verpassten Regierungsübernahme 2017 fand sich die CDU in Niedersachsen in einer Großen Koalition wieder, deren Halbzeit im Frühjahr erst bevorsteht. Aber nicht nur angesichts der Führungskrise der Union lotet die Partei bereits jetzt den Kurs im Anlauf auf die kommende Landtagswahl aus. Künftige Mehrheiten nämlich sind ungewiss und sowohl in Großstädten als auch auf dem Land kann die Partei nicht mehr ohne Weiteres auf Stammwähler bauen. Auf dem Kleinen Parteitag in Hameln vor wenigen Tagen beschwor Landesparteichef Bernd Althusmann die Delegierten, die Welt außerhalb der CDU verstärkt in den Fokus zu nehmen.

die Problemlage

Die Bevölkerung habe oft andere Erwartungen als die Mitglieder, betonte Althusmann. „Sind wir ein reales Abbild der Gesellschaft im 21. Jahrhundert?“ Nur 25 Prozent der Mitglieder seien Frauen, das zu ändern hat Althusmann sich schon länger zum Ziel gesetzt. Nicht nur in den Großstädten haben die Grünen bei Wahlen einen Höhenflug. In den ländlichen Regionen muss die CDU die Unzufriedenheit der Landwirte fürchten, demonstrierende Bauern in Hameln sprachen es auch aus: Die Partei drohe, den ländlichen Raum an die AfD zu verlieren.

ZUstand der Koalition

Nach jahrelangen Grabenkämpfen zwischen SPD und CDU war der Burgfrieden der Großen Koalition in Niedersachsen zunächst gewöhnungsbedürftig, hat aber Bestand. „Wir haben ein gutes Betriebsklima in der Großen Koalition“, stellte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kürzlich fest. Von einem „gut eingespielten Team“ sprach Althusmann. Tatsächlich gibt es manchmal Ruckeleien, mal um die Vorlage eines Klimaschutzgesetzes, die Einschränkungen für Bauern beim Düngen oder das Schaffen einer Landeswohnungsbaugesellschaft. „Das ist eine Frage des Umgangs, der so nicht geht“, meinte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer nach einem Vorpreschen der SPD bei letzterem Thema – richtiger Koalitionskrach klingt anders.

Mitgliederzahlen

Zwar ist die CDU in Niedersachsen vor der SPD weiter mitgliederstärkste Partei. Die Zahl ist aber wie beim Koalitionspartner rückläufig. Zu Jahresanfang hatte die CDU rund 57 000 Mitglieder, Ende 2018 waren es 58 464 und Ende 2017 noch 60 432 Mitglieder. Die SPD hatte vor dem Jahreswechsel rund 55 000 Mitglieder.

Gefühlter Gegner

Die Wahl 2017 entschied Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem zuvor in Umfragen als Sieger gesetzten Althusmann für sich. Nun hat die CDU die Grünen als Hauptgegner bei der kommenden Wahl erkannt. „Wir werden uns weniger mit der SPD als mit den Grünen und grünen Themen auseinandersetzen müssen“, sagte Fraktionschef Toepffer kürzlich. Insbesondere in den großen Städten müsse es der CDU gelingen, bei den Wählern zu punkten. Althusmann sprach vom Bemühen der Grünen, die Mitte in Anspruch zu nehmen und verwies mit Sorge auf die Hamburger Bürgerschaftswahl, bei der insgesamt 75 Prozent der Wähler SPD, Grüne oder Linke gewählt hätten.

Wo steht die CDU?

Eine repräsentative Landtagswahlumfrage sah Ende November vergangenen Jahres die Grünen mit 25 Prozent knapp vor den Regierungsparteien CDU (24,5 Prozent) und SPD (23,1 Prozent). Bei der Europawahl im Mai hatten die Grünen gerade in Großstädten gut abgeschnitten. Auch die Oberbürgermeisterwahl in Hannover konnten die Grünen in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU für sich entscheiden.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.