Hannover Das Bild an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist momentan von Polizisten mit teils schwerer Bewaffnung geprägt. Der Grund ist ein Patient, der in eine blutige Clan-Fehde um Drogengeschäfte verwickelt sein soll. Bereits am 7. Februar war das mutmaßliche Mafia-Mitglied aus Montenegro eingeflogen worden.

Der Direktor der Unfallchirurgie erfuhr nach eigener Aussage erst bei der Ankunft des Mannes, dass dieser in der Klinik in seiner Heimat von der Polizei bewacht worden war und schaltete die Polizei Hannover ein. Nach Darstellung des Arztes schützten zunächst zwei Beamten den Patienten, was weder selten noch ungewöhnlich sei. Erst als das Spezialeinsatzkommando hinzugezogen wurde, informierte der behandelnde Arzt die Klinikleitung und diese das Wissenschaftsministerium als Aufsichtsbehörde. Nun hagelt es von allen Seiten Kritik.

Laut Medienberichten in Montenegro feuerten die Täter mehr als 20 Mal auf den Wagen von Igor K., sieben Kugeln verletzten den 35-Jährigen lebensgefährlich. Bei einer Anfrage zur Behandlung derartiger Verletzungen hätte der MHH-Unfallchirurg nachfragen müssen, sagt Jens Jusczak, der an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zu Medizintourismus forscht. „Einen solchen Patienten hätte man ablehnen können und sollen.“

Viele Patienten und Besucher verstehen nicht, warum Igor K. ausgerechnet dort behandelt wird. „Der gehört nicht hierher“, sagt ein Besucher. Erst am Dienstag äußerten sich der Unfallchirurg und andere leitende Ärzte im MHH-Intranet. Da gab es bereits Irritationen und Wut unter den Beschäftigten und die Frage, warum so ein fragwürdiger Patient überhaupt aufgenommen worden war.

„Wir haben ihn nicht hergeholt, wir haben ihm keinen roten Teppich ausgerollt“, so Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Der Polizeieinsatz sei mit dem Bundeskriminalamt abgestimmt und diene vor allem dem Schutz Unbeteiligter. „Er ist weder Gefährder, noch ist er in Deutschland Straftäter oder gesucht.“ Über den Polizeischutz will die Landesregierung am Montag im Landtag informieren. Falls es rechtlich möglich sei, sollen Igor K. und die „Clan-Familie“ die Einsatzkosten übernehmen, so der Steuerzahlerbund.

Für Verwirrung sorgte die Erklärung eines Rechtsanwalts, es handele sich um eine Verwechselung. Sein Mandant heiße zwar Igor K., sei aber nicht vorbestraft und habe mit der Mafia nichts zu tun. Die Sicherheitsbehörden bleiben aber bei der Einschätzung, dass Patient und Umfeld geschützt werden müssen.

Selbstzahlende Patienten aus dem Ausland bilden einen Bruchteil der Behandlungsfälle in deutschen Kliniken. Laut Forschungsstelle Medizintourismus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ließen sich 2017 rund 247 500 Patienten aus 177 Ländern hier behandeln.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.