Hannover Tierschutz oder Religionsfreiheit? Der Antrag der AfD für ein Verbot des betäubungslosen Tötens von Tieren beim Schlachten, das sogenannte Schächten, löst am Donnerstag im Landtag eine Empörungswelle bei allen anderen Fraktionen aus.

„Ihr Antrag offenbart eine armselige Gesinnung“, attestiert der FDP-Abgeordnete Hermann Grupe der AfD-Fraktionsvorsitzenden Dana Guth. Er ziele einzig und allein auf das rituelle Schächten und die religiösen Gefühle von Juden und Muslimen. Unter dem Deckmantel des Tierschutzes „hetzen Sie gegen Juden“, greift Grupe die AfD direkt an – unter dem großen Beifall auch bei Grünen, CDU und SPD. „Sie schüren Vorurteile, plump und perfide“, attackiert auch die Berner SPD-Abgeordnete Karin Logemann die Rechtsaußen im Landtag. Die AfD ziele einzig und allein „auf Minderheiten und das friedliche Miteinander“, kritisiert sie. Für den Cloppenburger CDU-Politiker Christoph Eilers steht fest: „Die AfD will nur bestimmte Religionsgruppen in eine bestimmte Ecke stellen.“

Guth erinnert daran, dass „nicht nur Religionsfreiheit ein Grundrecht ist“, sondern auch der Tierschutz ein Verfassungsrang genieße. „Wir wollen das grauenhafte Töten für immer verbieten“, betont sie, die sehr drastisch schildert, was beim betäubungslosen Töten passiert: „Das Tier erleidet Todesangst mit schweren Erstickungsanfällen.“ Heftig greift die AfD-Fraktionschefin die anderen Parteien dafür an, mit Ausnahmeregelungen dafür zu sorgen, „dass Tieren Schmerzen zugefügt“ werden. „Sie alle haben sich die Hände schmutzig gemacht“, ruft Guth den anderen Fraktionen zu – und löst lautstarke Proteste aus.

„Unselige Hetze“, ruft der Grünen-Abgeordnete Christian Meyer zurück, und sogar bei der CDU klatschen Abgeordnete. „Ihr Antrag ist verfassungswidrig“, betont der frühere Landwirtschaftsminister, in dessen Ressort auch Tierwohl fiel. Im Grundgesetz sei einzig die Religionsfreiheit verankert, Tierschutz sei nur ein Verfassungsauftrag.

Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
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