Hannover Kurz vor der Haushaltsklausur der Landesregierung am kommenden Wochenende pochen die kommunalen Theater im Land auf die versprochene Verstetigung der Landesmittel: Finanzminister Reinhold Hilbers und Kulturminister Björn Thümler (beide CDU) haben bereits Hunderte E-Mails zum Thema erhalten. Es geht um die Landesförderung für die Stadttheater in Osnabrück, Celle und Lüneburg, die Landesbühnen in Wilhelmshaven und Hildesheim sowie das Theater und das Symphonieorchester in Göttingen.

Am Freitag forderte die Dienstleistungsgewerkschaft „Verdi“ Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf, „das strukturelle Defizit der kommunalen Theater in Niedersachsen endlich zu beseitigen“. „Verdi“ zufolge plant das Kabinett, ab 2020 aus der Refinanzierung von Tarifsteigerungen auszusteigen. Das wäre ein „nicht hinnehmbarer Affront gegen die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen“, warnte „Verdi“-Landeschef Detlef Ahting. Das strukturelle Finanzierungsdefizit der Kommunaltheater betrage aktuell 9 Millionen Euro. Für 2019 hatte es nach Protesten der Theatermacher 3 Millionen Euro gegeben.

Die Sorge um die Finanzierung ist nicht unbegründet. Eine Sprecherin von Minister Thümler wollte sich am Freitag nicht äußern und verwies auf die Haushalts-Pressekonferenz am kommenden Montag. Thümlers Problem: Das Ministerium hat zwar Geld für die Theater in seinen Haushaltsentwurf gepackt. Doch ob der Posten die Klausur übersteht, ist offen. Denn das Thümler-Ressort braucht auch anderweitig in den kommenden Jahren zusätzliches Geld: Der milliardenschwere Neubau der beiden Uni-Kliniken in Hannover und Göttingen dürfte deutlich teurer werden als veranschlagt. Und auch kleinere Posten wie der 13,6 Millionen Euro hohe Landesanteil zur Rettung des Welfenschlosses Marienburg dürften in den kommenden Jahren zu Buche schlagen. Da die Steuerzuwächse langsam versiegen und teure Wünsche wie das Weihnachtsgeld für Beamte anstehen, fordert Finanzminister Hilbers von den Ministerien für Mehrausgaben Sparvorschläge ein.

Die Finanzierung der Theater ist seit Jahren eine Hängepartie: In der Vergangenheit hatten die Regierungsfraktionen Defizite immer wieder kurzfristig mit Geld aus ihrer „Spielgeldliste“ gestopft. Dieses Provisorium wollte der Minister eigentlich abschaffen.

Erst Anfang Juni hatten zahlreiche CDU-Landtagsabgeordnete um Burkhard Jasper (Osnabrück) und Laura Rebuschat (Hildesheim) an Ministerpräsident Weil appelliert, Thümlers Haushaltsentwurf zu unterstützen. Die Parlamentarier wollen, dass die diesjährigen drei Millionen Euro dauerhaft im Haushalt verankert werden. Jasper sieht dafür gute Chancen: „Ich gehe davon aus, dass ein solcher Brief von den Abgeordneten nicht seine Wirkung verfehlen wird“, sagte er.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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