Hannover Niedersachsen drängt auf die industrielle Herstellung von „grünem Wasserstoff“ aus erneuerbarer Energie. Die rot-schwarze Landesregierung brachte am Dienstag eine entsprechende Bundesratsinitiative auf den Weg: Die soll im Oktober in Berlin eingebracht werden. Weichenstellungen erwarten Energieminister Olaf Lies (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) aber bereits vom Berliner Klimakabinett am kommenden Freitag.

Vorreiter Japan

Beide Politiker prophezeien dem Energieträger eine große Zukunft: Für Lies ist Wasserstoff das „zentrale Instrument zur Umsetzung der klimatechnischen Ziele“, Althusmann spricht gar vom „entscheidenden Energieträger der Zukunft“. Immerhin verfüge Norddeutschland über genug Windstrom, um mit diesem per Elektrolyse Wasserstoff herzustellen.

Doch anders als in Japan, das im Vorfeld der Olympischen Spiele 2020 voll auf Wasserstoff setzt und dessen Autohersteller Toyota ebenfalls stark in den Wasserstoffantrieb investiert, steht die grüne Wasserstoffindustrie hierzulande noch in den Startlöchern. Toyota-Rivale Volkswagen setzt auf das E-Auto, und in Sachen Wasserstoff gibt es bundesweit etwa 40 Testanlagen, unter anderem in Lingen.

Gerade erst hat das Bundesumweltministerium neue Reallabore auf den Weg gebracht: In Salzbergen soll synthetisches Methan hergestellt werden, in Diele (Rheiderland) oder Conneforde (Ammerland) soll Windstrom in Wasserstoff gewandelt und ins Erdgasnetz gespeist werden, in Stade ist eine Methanolproduktion geplant und der Kreis Schaumburg im Weserbergland will gar eine ganze Wasserstoffregion werden.

Das ist alles gut, aber reicht nicht aus, finden Althusmann und Lies. Was es brauche, sei eine Produktion und Nutzung im industriellen Maßstab: mit mehr Wasserstoffzügen, Wasserstoff-Lastwagen, mit Treibstoffen und künstlichem Erdgas auf Wasserstoffbasis.

Steuern senken

Bislang seien sich die norddeutschen Länder einig gewesen und am Widerstand aus dem Süden und Osten Deutschlands gescheitert. Das ändere sich nun, glauben Althusmann und Lies.

Deswegen fordern sie gesenkte Steuern, Abgaben und Umlagen für die Produktion, dafür mehr Wasserstofftankstellen und – mit Blick auf die ersten Wasserstoffzüge – eine Aufnahme der Technik in Bahnausschreibungen. „Wasserstoffinfrastruktur ist Bahninfrastruktur“, sagt der Wirtschaftsminister.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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