Hannover /Brüssel /Brake /Cuxhaven Begegnet man Küstenfischern aus Brake und Cuxhaven in Zukunft nur noch im Geschichtsbuch? Die Ängste sind groß. „Viele fürchten um ihre Existenz“, bestätigt der Grünen-Landtagsabgeordnete aus Brake, Dragos Pancescu, im Gespräch mit dieser Zeitung. Zeitgleich verbreitet der CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke (Sögel im Emsland) am Dienstag eine ganz andere Botschaft: „Die Nordseefischer können aufatmen, der EU-Nordseeplan sichert die Existenzgrundlage für viele Fischereibetriebe.“ Was gilt nun?

Die vielen Fragezeichen löst der EU-Austritt Großbritanniens aus. Niedersachsens Fischer konnten aufgrund von EU-Vereinbarungen und zwischenstaatlicher Verträge bisher auch in britischen Gewässern fischen. Das galt teilweise sogar für die Zwölf-Meilen-Zone. Ein gewaltiger Wirtschaftsvorteil: Etwa 31 Prozent des Gesamterlöses deutscher Fischer stammen aus Fängen in der britischen Zone. Entfallen diese Rechte, dann sieht der Vorsitzende des deutschen Hochseefischerei-Verbandes, Uwe Richter, düster in die Zukunft: „Wenn wir keinen Zugang zu den Fanggebieten in der britischen Zone mehr haben, stirbt unter Umständen die Heringsfischerei.“ Im Klartext: Es geht alles in allem um 500 Arbeitsplätze auf den Fangbooten und an Land.

Während Norwegens Fischer ihr Heil in zweiseitigen Verträgen mit Großbritannien suchen – mit Gewährung beiderseitiger Fangrechte –, sitzt Deutschlands Fischerei-Flotte an der Nordseeküste vertraglich auf dem Trockenen. „Die Briten sind nicht unbedingt auf die restlichen EU-Gewässer angewiesen“, schilderte jüngst Verbandschef Richter den Landtagsabgeordneten die unbequeme Lage.

Küstenpolitiker Pancescu fordert die Landesregierung zum Handeln auf. „Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) muss das Problem zur Chefsache in der Staatskanzlei machen“, plädiert er für einen „Beauftragten für Fischerei“ in Niedersachsen. Die rot-schwarze Landesregierung müsse viel mehr Druck machen in Brüssel und Berlin und sich für die heimischen Flotten einsetzen. Auch finanzielle Hilfen schließt Pancescu nicht aus. So könnte Geld aus der geplanten Plastik-Steuer in die Kasse von Fischern fließen. Schließlich leide diese Branche ganz besonders unter der Verschmutzung der Meere.

EU-Parlamentarier Gieseke sieht die Zukunft nicht so schwarz. Mit der Vereinbarung über einen Nordseeplan „darf der Fischfang in der Nordsee nicht übereilt und grundlos eingeschränkt werden“, betont er. Außerdem könnten Fischer in wirtschaftlichen Nöten Hilfen aus dem Fischereifonds erhalten.

Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
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