Hannover Der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz am Landtag in Hannover wird wegen der NS-Vergangenheit von Niedersachsens erstem Ministerpräsidenten in Hannah-Arendt-Platz umbenannt. Der zuständige Bezirksrat entschied am Montagabend, den Platz nach der aus Hannover stammenden jüdischen Philosophin zu benennen.

Der Beschluss zur Umbenennung erfolgte einstimmig, für die Namenswahl war eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Die Rathausmehrheit von SPD und Grünen war dem Vorstoß der FDP gefolgt, den Platz nach Hannah Arendt zu benennen. Die CDU hatte den Namen „Am Landtag“ vorgeschlagen.

Der SPD-Politiker Kopf war von 1946 bis 1955 und dann noch einmal von 1959 bis zu seinem Tod 1961 Ministerpräsident. Die Historikerin Teresa Nentwig belegte 2013, dass sich Kopf in der NS-Zeit auf Kosten verfolgter Juden bereicherte. Kopf war als Generaltreuhänder der „Haupttreuhandstelle Ost“ in Polen an der Verwertung des Vermögens verfolgter und ermordeter Juden beteiligt. Für seine Verdienste bei der sogenannten „Entjudung“ erhielt er satte Provisionen.

Weil Kopf ein populärer Ministerpräsident war und auch die britischen Besatzer an ihm festhalten wollten, wurde die Vergangenheit des Mitbegründers des Landes Niedersachsen in der Nachkriegszeit totgeschwiegen. Auch nach seinem Tod wollte niemand ihn vom Sockel stoßen.

Während in Hannover auch eine Grundschule und ein Jugendcamp umbenannt werden sollen, hat man in Kopfs Geburtsort Neuenkirchen bei Cuxhaven anders entschieden. Die dort ebenfalls nach Kopf benannte Grundschule solle ihren Namen behalten. Sie werde möglicherweise in nächster Zeit aufgelöst, sagte ein Gemeindesprecher. Möglicherweise soll aber eine Info-Tafel über die Vergangenheit aufklären.

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