Hannover Christian Wulff setzt ans Ende seiner Rede einen Schlusspunkt mit außergewöhnlicher Wortwahl: „Ich wünsche mir mehr Politiker, die einen Arsch in der Hose haben und sagen, man muss nicht alles so negativ sehen, sondern man kann es auch wie Wulff sehen.“

Der CDU-Politiker hatte anlässlich seines heutigen 60. Geburtstages am Dienstag bei einem Empfang der Konrad-Adenauer-Stiftung in Hannover den Flüchtlingszuzug in den Mittelpunkt seiner Rede gestellt. Und wie bewertet der ehemalige Bundespräsident und frühere niedersächsische Ministerpräsident das Reizthema?

Deutschland werde am 4. September 2040 zurückblicken auf einen „großen Moment seiner Geschichte“, prognostiziert Wulff und bittet seine Zuhörer in der Neustädter Hof- und Stadtkirche Sankt Johannis am Rande von Hannovers Innenstadt, sich diesen Termin schon jetzt einzutragen.

Das Land werde sich an diesem Tag für 25 Jahre Flüchtlinge feiern und zurückblicken auf die schwierige Anfangszeit voller Sorgen und Irrtümer und auf die Bereicherung durch die Integration von 1,5 Millionen neuer Menschen. Auch im Prozess der Deutschen Einheit seien die ersten Jahre geprägt gewesen von Ängsten und mancher Fehlentscheidung. Die Chancen aber seien groß und ermutigend, dass der Flüchtlingsansturm, der Deutschland vollkommen unvorbereitet erreicht hatte, zu einem „Glücksfall der deutschen Geschichte“ werde.

Die geladenen Gäste –unter ihnen neben den Unternehmern Dirk Roßmann und Martin Kind etliche Minister sowie Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), sein Stellvertreter Bernd Althusmann (CDU) und Landesbischof Ralf Meister – danken dem Jubilar mit stehenden Ovationen für seine klaren Worte.

Ministerpräsident Weil freut sich, endlich noch mal „Teil des linken Flügels einer Veranstaltung zu sein“ und hebt Wulffs Verdienste um die Wirtschaft und die Integration in Niedersachsen hervor. „Wir wissen, was wir an Ihnen hatten“, stellt Weil klar, während der Journalist und langjährige Wegbegleiter Friedrich Küppersbusch an einen Politiker erinnert, der „so rotzfrech handelt, wie er harmlos wirkt“.

Wulff, der auf seine „schwierige Zeit“ als Politiker nur ganz am Rande eingeht („es hat nicht nur Spaß gemacht“), war von 2003 bis 2010 Ministerpräsident von Niedersachsen, anschließend wurde er Bundespräsident. 2012 trat er zurück, nachdem die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Vorteilsannahme ein Ermittlungsverfahren eröffnet hatte. 2014 sprach ihn das Landgericht Hannover in einem aufwendigen Verfahren von allen Vorwürfen frei.

Christian Wulff feiert seinen 60. Geburtstag an diesem Mittwoch im Kreise seiner Familie und Freunde, wie seine Tochter Annalena auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte.


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Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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