HANNOVER /OLDENBURG Berühmt wurde Hannah Arendt (1906-1975) durch ihr Buch über Adolf Eichmann. Sie starb als US-Bürgerin in New York.

Von Thomas Borchert HANNOVER/OLDENBURG - Sie wäre vermutlich misstrauisch gewesen gegenüber der Vermarktung ihres Namens, schrieb der Politikwissenschaftler Kurt Sontheimer in seiner Studie zum „Weg einer großen Denkerin“. Es gebe jede Menge Hannah-Arendt-Schulen, Hannah-Arendt-Straßen, Hannah-Arendt-ICE-Züge, Hannah-Arendt-Preise für politisches Denken und anderes mehr.

Die heute genau vor 100 Jahren geborene deutsch-amerikanische Philosophin ist mit ihrem „unabhängigen Denken zwischen den Stühlen“ für den 2005 gestorbenen Sontheimer zu einer der wenigen Ikonen unter den politischen Theoretikern des 20. Jahrhunderts geworden.

Hannah Arendt, im hannoverschen Stadtteil Linden geboren, floh 1933 als junge jüdische Frau mit ihrem ersten Ehemann und der Mutter aus Deutschland. Sie starb mit 69 Jahren als US-Bürgerin in ihrer New Yorker Wohnung. In einem berühmt gewordenen TV-Interview mit Günter Gaus sagte sie 1964: „Denken beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod.“ Es bedürfe „nicht nur des Kopfes, sondern auch des Herzens, das heißt der Einfühlung, der Fähigkeit, das Besondere, das Zufällige, von der Ratio nicht Vorhergesehene wahrzunehmen“.

Als sie das sagte, hatte es Hannah Arendt gerade unfreiwillig zu großer Berühmtheit für ihre Berichte vom Jerusalemer Prozess gegen den Nazi-Schlächter Adolf Eichmann gebracht. Dass sie im bürokratischen Organisator der Massenmord-Fabrik Auschwitz die „Banalität des Bösen“ verkörpert sah und die Einbeziehung von Judenräten am Holocaust problematisierte, führte zu einer extrem bitteren Kontroverse. Auch enge Freunde wandten sich ab, weil sie meinten, Arendt habe das Morden der Nazis verharmlost.

Im Abstand von 40 Jahren gelten Arendts damalige Überlegungen zur Natur des Bösen und zu politischen Systemen generell als bleibend und aktuell. Neben dem Nationalsozialismus hat sich Arendt vor allem mit dem Stalinismus als Herrschaftssystem befasst und dazu 1951 die als ihr Hauptwerk geltenden „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ vorgelegt.

Hannah Arendt erhielt 1951 die US-Staatsbürgerschaft und fühlte sich bis zu ihrem Tod auch ganz als US-Bürgerin.

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