HAMELN Vor der Rattenfängerhalle warten Jubelbürger auf die Kanzlerin, drinnen versucht Ministerpräsident David McAllister, die 315 Delegierten in Stimmung zu bringen für den Auftritt von Angela Merkel. Der Landesparteitag in Hameln am Freitagnachmittag ist als Start in die heiße Phase des Kommunalwahlkampfes gedacht, mit der Rede der Kanzlerin als Höhepunkt. „Wir sind gut drauf“, ruft McAllister in den schummerigen Saal. Doch die Stimmung in der Landes-CDU leidet unter dem Erscheinungsbild der Bundespartei. So mancher sieht dadurch die Chancen bei den Kommunalwahlen gefährdet. Die Kritik an Merkel wird selbst in der sonst so treuen Niedersachsen-CDU lauter. „Bei Angela Merkel beklage ich weniger die Inhalte, sondern vor allem die Tatsache, dass sie die Politik zu wenig erklärt“, hat Ex-Landtagspräsident Jürgen Gansäuer in einem Interview unmittelbar vor dem Parteitag kritisiert.

McAllister lobt die Wirtschaftspolitik seiner schwarz-gelben Koalition, preist die Schulreform, schimpft gegen die Linken. „Wir müssen uns im Jahr 2011 nicht jeden Bullshit von den Linken gefallen lassen.“ Doch der Ministerpräsident lässt auch Berlin nicht ungeschoren. „Über die Zukunft des Euros darf nicht nur von Wenigen in Brüssel entschieden werden.“ Es müsse eine breite Debatte in den Parlamenten und auch in der CDU über die gemeinsame Währung geben, forderte der CDU-Landeschef. „Wir müssen erklären, warum wir Entscheidungen treffen.“ Es gebe immer Alternativen, betont McAllister. Das könnte man als Seitenhieb gegen Merkel verstehen, die so vieles für alternativlos erklärt hat.

McAllisters Lautstärke verfehlt ihre Wirkung nicht. Als die Kanzlerin im Scheinwerferlicht zum Podium eilt, begleitet von Bodyguards und Bombast-Musik, passt die Laune im Saal. Merkel spricht von Kommunen und Bundeswehr, von Freiheit und Energiepolitik. Die Kanzlerin verteidigt den Ausstieg aus der Atomenergie. „Wenn wir in den Kommunen nicht mehr stark sind, ist auch etwas passiert mit der CDU“, fordert sie die Einigkeit der Partei. Dann ist sie in ihrem bunten Potpourri beim Thema Euro angelangt, verteidigt die gemeinsame Währung und die Idee einen geeinten Europas. Den Delegierten scheint es zu gefallen, es gibt stehenden Applaus. Mit einem Blumenstrauß wird Merkel von McAllister und einer Rapsblütenkönigin verabschiedet.

Am Ende des Parteitags geht es wieder um die Kommunalpolitik. Die CDU will am 11. September stärkste Kraft in Niedersachsen bleiben. Der Leitantrag zum Ehrenamt und Anträge zu mehr innerparteilicher Demokratie werden beschlossen. Die CDU bekennt sich zum Jade-Weser-Port und zum Bau der Küstenautobahn A 20. Nach knapp vier Stunden ist Schluss.

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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