Essen /Oldenburg Als die Nachricht über die erste Frau im Oldenburgischen Landtag an die Öffentlichkeit drang, wurde Marie Brand unter dem Namen ihres Ehemanns vorgestellt. „Frau Joseph Brand ist anstelle des Abgeordneten Wilhelm Griep in den LT eingetreten. Damit zieht zum ersten Male eine Frau in das oldenburgische Parlament und ist somit auch in dieser Hinsicht der neuen Zeit in etwa Genüge getan“, schrieb die Oldenburgische Volkszeitung am 26. November 1919.

Zwei Wochen später nahm Marie Brand aus Essen/Oldenburg an der ersten Landtagssitzung teil. Landtagspräsident Ernst Tantzen begrüßte sie und hieß sie willkommen, nicht ohne Hinweis auf den historischen Moment: „Meine Herren! Die Oldenburgische Landesvertretung erlebt heute einen historischen Tag. Zum ersten Male haben wir die Ehre, eine Dame unter uns als Abgeordnete zu begrüßen. Frau Brand ist in den Landtag eingetreten.“

Marie Brand hatte auf Platz 13 der Zen­trumsliste kandidiert und das Mandat von Wilhelm Griep aus Ramsloh (später Gemeindedirektor) übernommen. Die Zentrumspartei war christlich orientiert und galt als Partei des politischen Katholizismus. Bereits 1899 hatte der (damals einzige) SPD-Landtagsabgeordnete Paul Hug aus Wilhelmshaven das Frauenwahlrecht gefordert.

1907 und 1911 musste sich das Oldenburger Parlament mit Petitionen zum Frauenwahlrecht befassen, und die SPD brachte 1908 einen erneuten Antrag ein. Das Echo bei den anderen Parteien beschreibt eine Äußerung des Abgeordneten Johann Feldhus (Nationalliberale/Bund der Landwirte) aus Specken in der Debatte am 21. Februar 1908: „Ich gönne der Frau im Haushalte, im Hause, gern zwei Stimmen, aber in der Politik keine einzige.“

Mit der Novemberrevolution von 1918 dankte nicht nur der Großherzog ab, es folgte die Gründung des Freistaates Oldenburg und die erste freie und gleiche Wahl am 23. Februar 1919. Die Abgeordnete Marie Brand gehörte dem Oldenburgischen Landtag übrigens nicht lange an. Bei der Landtagswahl am 6. Juni 1920 trat sie nicht erneut an.

Geboren wurde die Zentrumspolitikerin am 19. August 1877 in Cappeln/Oldenburg als Marie Renschen. Sie heiratete am 24. Oktober 1899 den Kaufmann Josef (nicht Joseph, wie die Oldenburgische Volkszeitung in dem Bericht über Marie Brands Wahl schrieb) Brand (1859 bis 1923). Das Paar hatte acht Kinder. Marie Brand starb 7. Mai 1956 in Essen/Oldenburg.

Dem Oldenburgischen Landtag haben von 1919 bis 1933 neben 140 Männern ohnehin nur vier Frauen angehört. Neben Marie Brand waren das die Sozialdemokratinnen Ilsa Wübbenhorst (1885 bis 1966) aus Nordenham und Elisabeth Frerichs (1883 bis 1967) aus Rüstringen (Wilhelmshaven) sowie Auguste Henke (1867 bis 1951; DVP = Deutsche Volkspartei, eine nationalliberale Partei) aus Delmenhorst.

In den Reichstag war im August 1919 als erste Frau aus dem Nordwesten Marie Behncke (1880 bis 1944, SPD) aus Wilhelmshaven eingezogen. Sie stammte aus Dangastermoor und war für den Sozialdemokraten Paul Hug in die verfassunggebende Nationalversammlung nachgerückt.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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