Emden Die SPD trauert um einen ihrer Großen: Der frühere Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Sozialdemokraten in Niedersachsen, Johann „Joke“ Bruns aus Emden, ist in der Nacht zum Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben. „Viele werden ihn vermissen“, schrieb der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Reinhold Robbe aus Bunde am Freitagvormittag bei Facebook. Bruns sei ein Weggefährte von Altbundeskanzler Gerhard Schröder und „Wegbereiter für den Erfolg der Sozialdemokraten in Niedersachsen und im Bund“ gewesen.

Der 1932 in Emden geborene Ostfriese war von 1984 bis 1994 Chef der SPD in Niedersachsen. In dieser Zeit holte die SPD mit Schröder nach zehn Jahren Opposition 1990 die Regierungsverantwortung in Hannover zurück. Dem Landtag gehörte Bruns von 1970 bis 1994 an. Ab 1990 hatte er neben dem Parteivorsitz auch die Führung der SPD-Landtagsfraktion übernommen. Von 1994 bis 1998 wirkte er als Vizepräsident der Stiftung Niedersachsen und zehn Jahre lang als Mitglied des NDR-Rundfunkrates.

Auch nach seiner Zeit als aktiver Politiker war Bruns als Ratgeber gefragt. Der Geschäftsführer der IG Metall Emden, Michael Hehemann, würdigte ihn am Freitag als „großen Kämpfer auch für Arbeitnehmerrechte“. So sei Bruns beispielsweise vor zwei Jahren noch „klar für die Interessen von Beschäftigten und Betriebsräten eingetreten“, als die Gewerkschaft mit dem Auricher Windkraftanlagen-Hersteller Enercon im Streit über Arbeitnehmervertretungen lag. „Ein großer Sozialdemokrat, ein großer Niedersachse und ein noch größerer Emden – all das ist Joke“, schrieb der Ex-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel in einem 2014 erschienen Buch über Bruns. Gabriels Karriere hatte Anfang der 90er Jahre begonnen, als Bruns Fraktionschef im Landtag war. „Als Architekt der ersten dauerhaften rot-grünen Landesregierung hat Joke niedersächsische und deutsche Politik mitgeprägt“, bescheinigte der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende dem Emder anlässlich dessen 80. Geburtstages. Später habe Bruns diese Koalition vor dem Bruch gerettet. Prägend für Bruns’ Leben sei seine Kindheit in der Zeit des Nationalsozialismus gewesen.


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