Darf ein Soldat auf ein Kind schießen? Eine heikle Frage, die eigentlich nicht beantwortet werden kann.

Von Thomas Hellmold

Frage: Herr Schütte, sind Sie froh, dass Sie nach 28 Jahren als Militärseelsorger nun in den Ruhestand gehen dürfen?

Schütte: Ja und nein. Ich bin fit und hätte gerne weitergemacht. Das ist aber aus beamtenrechtlichen Gründen nicht möglich – ich werde heute 65 Jahre alt. Andererseits kann ich mich jetzt anderen Dingen widmen, und ich freue mich, dass ich nun immer zu Hause sein kann. Meine Frau hat mich nämlich in den vergangenen zwei Jahren allenfalls am Wochenende gesehen.

Frage: Ist Militärgeistlicher zu sein wegen der zunehmenden Auslandseinsätze von Bundeswehrsoldaten heutzutage ein riskanter Job?

Schütte: Grundsätzlich gilt, dass der Militärgeistliche dort sein muss, wo der Soldat zur Ruhe kommt. An vorderster Front hat der Pfarrer nichts zu suchen. Selber bin ich nie in einem wirklich gefährlichen Auslandseinsatz gewesen. Ich war zwar unter anderem auch für ein paar Tage in Afghanistan, aber damals war die Lage vergleichsweise entspannt. Die Kollegen, die jetzt dort stationiert sind, müssen wesentlich vorsichtiger sein.

Frage: Als nächstes wartet der Kongo, im Gespräch sind Bundeswehreinsätze im Sudan und womöglich im Libanon. Ist das überhaupt zu bewältigen?

Schütte: Zusätzliche Einsätze, ohne dass andere zurückgefahren werden, scheinen mir allein von den Kontingentzahlen her äußerst problematisch zu sein. Ein weiteres Problem ist die Ausrüstung, die ja bereits auf die bisherigen Einsatzorte verteilt ist. Und als wie gefährlich man den Kongo-Einsatz bewerten muss, sieht man ja schon daran, dass ein großer Teil unserer Soldaten nicht direkt im Kongo stationiert ist, sondern im Nachbarland Gabun. Soldaten, mit denen ich gesprochen habe, halten den Kongo-Einsatz für den problematischsten, den die Bundeswehr bisher hatte . . .

Frage: . . . weil niemand genau weiß, was ihn dort erwartet, zum Beispiel Kindersoldaten?

Schütte: Richtig.

Frage: Was würden Sie einem Soldaten antworten, wenn er Sie fragt, wie er sich in einer solchen Situation verhalten soll? Darf er auf ein Kind schießen?

Schütte: Das ist so ungefähr die schlimmste Entscheidung, die ein Soldat – in Sekundenbruchteilen – treffen muss. Die kann ihm niemand abnehmen, auch ich nicht. Aber ich möchte mit ihm über seine Gedanken und Gefühle reden. Ein General hat neulich einmal sinngemäß gesagt: Natürlich wird geschossen. Ich fand diese Äußerung nicht so toll. Ein General kann so etwas leicht sagen. Er selber kommt nämlich nicht in diese furchtbare Situation.

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