BREMEN BREMEN - Ein letztes Mal saß er auf seinem angestammten Platz vorne links in den Reihen der SPD-Fraktion. Von hier aus verfolgte Jens Böhrnsen gestern die Sitzung der Bremischen Bürgerschaft. Eine einstündige Debatte ging seiner Wahl zum neuen Regierungschef und Nachfolger von Henning Scherf (SPD) voraus. 62 Ja- und 19 Nein-Stimmen war das Ergebnis, mit dem der 56 Jahre alte Sozialdemokrat nach eigenem Bekunden gut leben kann. Auch wenn er damit fünf Stimmen weniger erhielt, als er aus den Reihen der Regierungsfraktionen SPD und CDU hätte bekommen können. Welche Abgeordneten dem bisherigen SPD-Fraktionschef die Gefolgschaft verweigerten, ist unbekannt. Die Abstimmung war geheim.

Doch die Vermutung liegt nahe, dass Böhrnsen damit ein kleiner Denkzettel für seine Attacken auf den Koalitionspartner CDU in der Vergangenheit verpasst werden sollte. Deren Fraktionschef Hartmut Perschau sah sich denn auch vor der Wahl zu einem unmissverständlichen Fingerzeig veranlasst: „Ich sage das so freundlich wie man das nur sagen kann: Das Amt des Präsidenten des Senats ist ein völlig anderes als das Amt des Fraktionsvorsitzenden.“ Künftig trage Böhrnsen Verantwortung für die gesamte Koalition und nicht nur für die SPD.

Kein Redner kam angesichts des Ausscheidens von Scherf nach zehn Jahren als Regierungschef und insgesamt 27 Jahren Regierungs- Zugehörigkeit um das Wort „Zäsur“ herum. Die oppositionellen Grünen und Liberalen nutzten die Debatte zu einer Generalabrechnung. Unter Scherf habe sich die Lage Bremens verschlechtert, monierten sie.

In der Tat übernimmt Bremens neuer erster Mann einen Berg alter Probleme. An erster Stelle steht die Finanzmisere des Landes, das einen Schuldenberg von – je nach Rechenart – 12 bis 13 Milliarden Euro angehäuft hat und im laufenden Jahr gut ein Viertel seiner Ausgaben auf Pump finanziert. Die Haushaltsberatungen für 2006/2007 stehen unmittelbar bevor.

Böhrnsen hielt sich am Tag seiner Wahl mit programmatischen Aussagen zurück. Zu seinem Nachfolger als Fraktionschef wählte die SPD-Fraktion gestern den

bisherigen SPD-Landesvorsitzenden Carsten Sieling. Der 46-Jährige erhielt 81 Prozent der Stimmen.

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