Hannover /Oldenburg „Alt werden ist kein Klacks“, prognostiziert Privatdozent Jürgen M. Bauer. Der Altersmediziner an der Uni-Klinik für Geriatrie am Klinikum Oldenburg berät seit Montag die niedersächsische Landesregierung. Bevölkerungsentwicklung und immer breitere Alterspyramiden bilden eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will aber den Sachverstand im Land nutzen, um ganz konkrete Handlungsempfehlungen durch einen 35-köpfigen Beirat zum demografischen Wandel in Niedersachsen zu bekommen. „An Analysen fehlt es nicht“, betont Weil. Er will jetzt Expertenrat hören, wie den vom Oldenburger Bauer.

„Hochaltrigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Agonie“, versichert der Altersmediziner. Es gebe im Gegenteil „viel Lebensqualität“. So leben in Deutschland bereits mehr als 13 000 über Hundertjährige. „Das biologische Limit liegt etwa bei 120 Jahren“, schätzt der Experte, der aber davor warnt, Alter mit Ruhestand gleichzusetzen. „Älter werden ist anstrengend“, betont Bauer. Wer fit bleiben wolle, für den könne nur das Motto lauten: „Leben ist Bewegen.“ Damit müsse man „schon in der Jugend anfangen“.

Aber selbst Pflegebedürftigkeit sei „nicht das Ende eines positiven Lebens“, betont der Mediziner, der als künftiges gesellschaftliches Ziel das Prinzip sieht: „Junge Alte tragen Fürsorge für Alte.“

In den Landkreisen wächst laut Bertelsmann-Stiftung die Gruppe der Hochbetagten meist deutlich stärker als in den Städten. Während der Anteil der über 80-Jährigen beispielsweise in Osnabrück etwa um ein Fünftel zunimmt, wird es 2030 im Landkreis Osterholz mehr als doppelt so viel Einwohner über 80 Jahre geben als heute.

Ministerpräsident Weil plädiert deshalb auch für einen gleitenden Abschied aus dem Erwerbsleben. „Ich mache aus meiner Überzeugung kein Hehl: Ich bin für einen flexiblen Übergang in den Ruhestand“, betont der Ministerpräsident, der zugleich an den geltenden gesetzlichen Regelungen zur Altersgrenze nicht rütteln möchte. Das sei Sache des Bundesgesetzgebers. Und: Mancher könne auch mit 63 Jahren schon geschafft sein vom Arbeitsleben zuvor.

An der Spitze des 35-köpfigen Beirats steht Axel Priebs. Er leitet das Dezernat für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover. „Für das erste Jahr haben wir uns die Themen Bildung und Mobilität vorgenommen, das sind Schlüsselthemen für unser Land“, sagt Priebs. Die für die Regionalentwicklung im Land zuständige Staatssekretärin Birgit Honé kündigt an, dass im zweiten Halbjahr damit begonnen werden solle, erste Projekte umzusetzen.

Die FDP vertritt die Ansicht, dass das neue Gremium überflüssig sei. „Wir brauchen jetzt Taten statt weiteren Rat“, sagt der Landtagsabgeordnete Christian Grascha. Die Regierung blähe mit dem Beirat die Verwaltung nur auf. Der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall weist darauf hin, dass beim Thema Demografie vieles bekannt sei. Dennoch unterstütze der Verband den Kurs der Landesregierung, betont Verbandssprecher Christian Budde.

Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
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