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IM NORDWESTEN Wenn der Ministerpräsident kommt, gehen sogar Kanonen in Stellung. Die Schützen von 13-hundert und Tobak aus Hitzacker lassen es mächtig krachen zur Begrüßung: McAllister ist da. Seine Augen leuchten. Der Regierungschef sprüht vor Selbstbewusstsein. „Ich bin gut drauf!“ ruft McAllister später auf dem Fest der Moorriem-Ohmsteder Sielacht. Miese Umfragen und die Lästerei der SPD („Wackeldackel auf der Hutablage im Auto der Kanzlerin“) haben McAllister in den letzten Wochen schwer getroffen. Wackeldackel? Da werden die Augen des CDU-Landeschefs ganz schmal. Das gibt es irgendwann mal zurück. Garantiert. Jetzt badet der Ministerpräsident in der Sympathiewelle der vielen Niedersachsen bei der Sommerreise. Und das beste: Die Umfragen sehen die CDU klar vor der SPD. Das spornt an.

Mit 580 PS und auf acht Pneus donnert McAllister derzeit im Bus durch die Lande, auch im Nordwesten. Eine Marathon-Tour mit 25 Stationen in vier Tagen. Manchmal hinter dem SPD-Herausforderer Stephan Weil hinterher. Dieser ist gleich zwei Wochen unterwegs. „Aber mit weniger Stationen“, beobachten CDU-Späher.

Selbstironische Distanz

Schon Amtsvorgänger Christian Wulff hat eine solche Sommerreise bestritten. „Mein Stil ist anders“, lehnt McAllister zu enge Vergleiche mit dem gescheiterten Bundespräsidenten ab: „Ich bin nicht so auf Berlin ausgerichtet“. Mit selbstironischer Distanz zur Bundeshauptstadt stellt der Ministerpräsident immer wieder fest: „Hier ist es schön“. Das gilt für Hitzacker, Lüneburg, Elsfleth, Wildeshausen, Oldenburger Land. Eigentlich überall. „Man sollte sich als Politiker nicht überschätzen“, wehrt McAllister Fragen nach einer Kronprinzenrolle hinter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ab. Nur so viel: „Ich wünschte mir, wir wären mehr“.

Auch die schönste Region in ganz Niedersachsen macht McAllister aus: die Wesermarsch. „Ist es nicht herrlich hier?“ fragt der Ministerpräsident die mitreisenden Journalisten aus ganz Deutschland bei der Begrüßung durch die Jagdhorn-Bläser in Mooriem. Keine Frage. Eine Feststellung. „Dieser wunderschöne Landstrich“ beweist für McAllister: „Dass wir die Schönsten und Besten in ganz Deutschland sind“. Und dass der CDU-Landeschef seit wenigen Tagen „Fördermitglied der Landfrauen“ ist, sei „der schönste politische Höhepunkt“. Das kann doch keine Bundeskarriere bieten. So ähnlich hat es Wulff auch mal formuliert.

Die Wesermarsch feiert ihren Landesvater standesgemäß. „Auf eine Kanufahrt haben wir verzichtet“, erklärt der stellvertretende Landrat Dieter Kohlmann unter dem Gelächter der Anwesenden. McAllister lächelt eher gequält. So weit ist das Zwischenahner Meer schließlich nicht entfernt und die unfreiwillge Badetour nicht vergessen. In der Wesermarsch blüht McAllister unter Freunden auf. „Hallo Karl“, sagt der Gast nach rechts. „Herr Ministerpräsident, ganz große Klasse“, kommt als Antwort. „Ihn kenne ich schon seit Jahrzehnten“, erläutert McAlliser. Händeschütteln, Küsschen, Umarmungen.

„Gestern gegoogelt“

Im Hintergrund die Dudelsäcke der Jade Bagpipers. Geschätzter Symapathie-Wert: 100 Prozent. Auch in Wählerstimmen? „Ich bin guter Dinge, dass ich nach der Landtagswahl am 20. Januar weiter im Amt bleibe“. Die miesen Umfragewerte für den Koalitionspartner FDP lassen den CDU-Chef kalt, hat man den Eindruck. „Die CDU wird weiterregieren“, sagt der Ministerpräsident nur.

„Hallo Herr Minister, ich habe Sie gestern erst gegoogelt“, strahlt Huimin Yi in Wildeshausen. Ob das „Präsident“ bei Google fehlte? Egal. „Nie hau“, grüßt McAllister perfekt auf Chinesisch die Südchinesin zurück, die bei der Firma „Hydrotec“ im Einkauf arbeitet. Huimin Yi ist begeistert vom Regierungschef, der in China „Zhou Zhang“ heißen würde.

Bei der Werksbesichtigung streicht McAllister fast zärtlich mit der Kelle über die frische Betonfüllung für einen Kanaldeckel. Penibel setzt der Besucher das Wappen von Wildeshausen ins Betonbett. „Mittig wie in der Politik“, befindet der CDU-Vorsitzende in Niedersachsen. Na, ja. McAllisters Wappen hat genau betrachtet eine leichten Rechtsdrall.

Zu Hause in Bad Bederkesa liegt in der Auffahrt übrigens ein Gullydeckel mit Niedersachsen-Ross drauf. Natürlich aus Wildeshausen. „Ein Geschenk meiner Frau“, sagt McAllister. Wundert’s, dass die Mitarbeiter stolz auf „ihren“ Ministerpräsidenten sind? Bei Huimin Yi hat McAllister jedenfalls einen dicken Stein im Brett. „Er hat sich bei mir auch auf Chinesisch verabschiedet“.

Deutsch – und Klartext – gibt’s auch auf der Reise. Im Cloppenburger Land lernt McAllister hautnah die Sorgen der Nahrungsmittel-Experten bei Wernsing kennen. Die Biogas-Anlagen fressen buchstäblich die Äcker für den Nahrungsmittelanbau wie Kartoffeln. „Die Preise explodieren“, klagt Wernsing-Geschäftsführer Bernard Suding.

Biogas aus Kartoffeln?

Die EEG-Umlage für erneuerbare Energien ist lukrativer, als an den Lebensmittelproduzenten zu verkaufen. Mais lohnt sich. „Die Preise haben sich in den letzten zehn Jahren teils verdoppelt“, stöhnt der „Senior“, Heinrich Wernsing.

Und Junior Stefan Wernsing ergänzt sarkastisch: „Es kann doch nicht sein, dass wir demnächst Kartoffeln für die Biogas-Anlagen anbauen – und aus den Resten können wir unsere Pommes machen!“

McAllister blickt betroffen. Das erste Mal. „Ich werde mich darum kümmern“, sagt der Ministerpräsident. Nach der Tour. Jetzt wartet erstmal ein Feuerwehrfest in Witzen. Stephan Weil war schon da.

Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
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