HANNOVER Demonstranten entrollten Transparente und verteilten Flugblätter. Die Sitzung musste unterbrochen werden.

Von Marco Seng,

Redaktion Hannover HANNOVER - Der Landtag debattierte gerade über das Bleiberecht für Ausländer, als die Tumulte begannen. Auf der sonst so stillen Zuschauertribüne wurden plötzlich Transparente entrollt mit Aufschriften wie „Atomausstieg sofort“. Im Plenarsaal verteilten Clowns und Nikoläuse grüne Flugblätter an die verdutzten Abgeordneten. Es dauerte geraume Zeit, bis die herbeigeeilten Saalordner und Polizisten die Lage in den Griff bekamen. Die Sitzung musste unterbrochen werden.

Andere Atomkraftgegner hatten die Treppe zum Hauptportal mit Transparenten und Blechdosen versperrt. Um kurz vor Elf erfüllte das Heulen von Sirenen die Luft in der Innenstadt. Aus allen Richtungen rasten Polizeiwagen in Richtung Landtag. Die Polizei räumte zunächst die Treppe und versuchten dann, die etwa 40 Demonstranten aus der verbotenen Bannmeile um den Landtag zu vertreiben. In dem Handgemenge bekam ein Journalist einen Schlag ins Gesicht. Ein Demonstrant wurde von Polizisten zu Boden geworfen. Er sei gewürgt worden, warf der Mann später den Beamten vor. Einige Minuten später hatte die Polizei die Situation im Griff.

Viele Abgeordnete beobachteten das Treiben fassungslos von den Treppen des Landtags. „Diese Hampelmänner sorgen dafür, dass wir Gitter am Landtag kriegen“, schimpfte der CDU-Abgeordnete Jens Nacke (Wiefelstede). Der Ruf nach schärferen Sicherheitsmaßnahmen wurde laut. Einige Parlamentarier mahnten zur Zurückhaltung. Das sei ein Einzelfall, den man nicht überbewerten dürfe, erklärte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

Nach und nach wurde Details des Überraschungs-Coups bekannt. Ein Teil der Demonstranten hatte sich als Lehrergruppe offiziell beim Landtag angemeldet. Gorleben sei für hochradioaktiven Atommüll nicht geeignet, sagte Francis Althoff von der Bürgerinitiative gegen ein mögliches Endlager im Osten Niedersachsens. Er warf Ministerpräsident Wulff und Umweltminister Sander vor, den Standort Gorleben durchsetzten zu wollen.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Landtag waren erst vor zwei Jahren nach teilweise gewalttätigen Protesten gegen den Sparkurs des Landesregierung verschärft worden. Die Polizisten und Ordner im Gebäude seien machtlos gewesen, sagte Landtagssprecher Franz-Rainer Enste gestern. „Man kann niemandem einen Vorwurf machen.“

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