München /Berlin Am Ende stehen noch einmal alle Kandidatinnen und Kandidaten gemeinsam auf der Bühne, recken gemeinsam die Hände nach oben. Und dann, ganz am Schluss dieser 23. SPD-Regionalkonferenz am Samstag in München, werfen die Teams, die sich um den SPD-Vorsitz bewerben, große Luftballon-Bälle in den Saal. Das soll symbolisieren: Der Ball liegt nun bei den Mitgliedern. Von diesem Montag an darf die SPD-Basis darüber abstimmen, wer die Partei künftig führen soll. Ein Überblick:

Die Favoriten

Eindeutige Favoriten haben sich bei den Regionalkonferenzen nicht herauskristallisiert – aber vier Paaren geben Beobachter besonders gute Chancen. Dazu gehören Vizekanzler Olaf Scholz und seine Brandenburger Partnerin Klara Geywitz, die schon allein wegen Scholz’ Bekanntheit Stimmen einheimsen werden. Wie kein anderes Team stehen beide für eine Fortsetzung der Großen Koalition.

Als eine Art Anti-Scholz präsentiert sich der frühere NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Zusammen mit der baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten Saskia Esken tritt er für höhere Steuern für Reiche ein. Auch deshalb gilt das Duo als Favorit der Partei-Linken.

Mehr noch für einen Neuanfang stünden die NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann und Europa-Staatsminister Michael Roth. Sie zeigen sich jung, dynamisch.

Und dann sind da noch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping. Für sie trommeln vor allem Funktionäre, sie versprechen „keine Traumtänzereien“. Bei den Konferenzen enttäuschte Pistorius die hohen Erwartungen aber eher. Köpping dagegen kam vor allem im Osten an.

Die Außenseiter

Hoffnungen machen sich auch Parteivize Ralf Stegner und seine Mitstreiterin Gesine Schwan. Kaum einer hatte erwartet, dass sich dieses Duo auf dem Podium so viele Sympathien erarbeiten würde – zumal Stegner auch in seiner Partei als notorischer Miesepeter gilt. Doch damit spielt der Norddeutsche gekonnt, das Paar mischt Selbstironie mit knallharten sozialpolitischen Forderungen.

Politische Extrempositionen scheinen im Kandidatenrennen eher zu schaden – das spüren die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer, die den Groko-Ausstieg deutlicher als alle anderen fordern. In München bekommen sie aber zum Abschluss viel Applaus. Profitieren die beiden am Ende vom Rückzug von Hilde Mattheis und Dierk Hirschel? Die Parteilinke und der „Verdi“-Chefökonom erklärten am Samstag ihren Rückzug – um die Chancen eines anderen „linken“ Teams zu erhöhen.

Die PArtei

Im Willy-Brandt-Haus gibt man sich euphorisch über die Wirkung der Castingtour. Rund 3500 Eintritte verzeichnete die SPD von Juli bis Mitte September, sie wirkt lebendiger. Überall volles Haus, überall diskussionsfreudige Mitglieder. Tatsächlich scheint das Verfahren zur Suche von Nachfolgern für die zurückgetretene Parteichefin Andrea Nahles eine Sehnsucht in der Partei zu befriedigen – nach Mitreden, nach ordentlichem Umgang miteinander.

Wie es weitergeht

Nach dem Casting können 425 630 SPD-Mitglieder vom 14. bis zum 25. Oktober über die Teams abstimmen. Das Ergebnis soll am 26. Oktober vorliegen. Es deutet sich allerdings an, dass kein Duo mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Dann gäbe es eine Stichwahl mit Ergebnis am 30. November. Wenige Tage später, Anfang Dezember, sollen die neuen SPD-Chefs dann auf einem Parteitag in Berlin bestätigt werden.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.