Hamburg wirkt! Die SPD schöpft bereits wieder neue Hoffnung, scheint den Glauben an sich noch nicht ganz verloren zu haben. Hurra, wir leben noch! Wahlen gewinnen – geht doch! Hauptsache Platz eins und mal wieder ein Erfolgserlebnis. Da lassen sich die nicht geringen Stimmenverluste der Genossen verschmerzen.

Auch wenn der Erfolg vor allem einer des Ersten Bürgermeisters Peter Tschentscher und der hanseatischen Genossen ist und man dort lieber auf das neue Führungsduo der Bundes-SPD im Wahlkampf verzichtet hat – Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken verschafft dieses Ergebnis dennoch zumindest eine kleine Atempause.

Hamburg wirkt – auch bei der CDU. Der schwache Verlegenheitskandidat Markus Weinberg bekam noch Gegenwind durch die Irrungen und Wirrungen der Bundespartei in der Führungsdebatte und dem Chaos in Thüringen. Das historische Wahldebakel in der Hansestadt muss für die Christdemokraten eine sehr ernste Warnung sein. Die quälende Kandidatenkür und das Machtvakuum an der Spitze der Bundespartei kommen bei den Wählerinnen und Wählern alles andere als gut an. Dazu kommt die Krise in Thüringen, wo die Christdemokraten einem Tabubruch einen weiteren folgen lassen wollen und völlig unberechenbar zu sein scheinen. Weder ist die Führungsfrage in der CDU geklärt noch das Chaos in Thüringen beseitigt.

Doch immerhin drückt die Parteispitze jetzt aufs Tempo, will möglichst schnell Klarheit an der Spitze. Der ursprüngliche Plan eines langen Abschieds auf Raten von Annegret Kramp-Karrenbauer und einer Nachfolgeentscheidung erst Ende des Jahres war von Anfang an zum Scheitern verurteilt und nicht zu halten. Wenn den Christdemokraten auch diesmal kein überzeugender personeller Neuanfang gelingen sollte, drohen ihnen das gleiche Schicksal wie der SPD und ein tiefer Absturz. Wie die gespaltene Partei schnell wieder zusammengeführt werden kann, bleibt vorerst ein Rätsel.

Geschlossenheit herrscht dagegen bei den eigentlichen Siegern der Bürgerschaftswahl. Die Grünen lauern nicht dort, sondern auch auf Bundesebene schon jetzt auf Platz zwei. Und ihr Erfolg an der Elbe beschert ihnen einen weiteren kräftigen Motivationsschub. Hamburg wirkt.


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Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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