LONDON Papst Benedikt XVI. hat in London den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche mit klaren Worten als ein „unbeschreibliches Verbrechen“ verurteilt. Er betete auf seinem viertägigen Staatsbesuch in Großbritannien gemeinsam mit Betroffenen und versprach erneut, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor Missbrauch zu ergreifen. Zum Schluss seiner Reise rief Benedikt am Sonntag bei einer Messe in Birmingham in Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs zu Frieden und Versöhnung in aller Welt auf.

In seiner Predigt am Sonnabend in der Londoner Westminster Kathedrale sprach der Papst von dem ungeheuren Leiden, „das durch den Missbrauch von Kindern verursacht wurde, besonders, wenn es in der Kirche und durch ihre Diener geschah“. Gemeinsam mit den unschuldigen Opfern gestehe er Beschämung und Demütigung ein, „unter der wir alle wegen der Sünden einer geringen Zahl von Priestern gelitten haben“.

In Birmingham fügte er am Sonntag vor den britischen Bischöfen an: „Der schändliche Missbrauch junger Menschen durch Priester untergräbt ernstlich die moralische Glaubwürdigkeit von Kirchenführern.“

Etwa 10 000 Papstgegner zogen am Sonnabend durch die Straßen der Londoner Innenstadt.

Bei einer Open-Air-Messe im Cofton-Park von Birmingham erinnerte Benedikt am Sonntag an die von den Nazis eröffnete Luftschlacht um England vor 70 Jahren. Mehrere zehntausend Menschen waren trotz Regenwetters gekommen.

In Birmingham sprach Benedikt Kardinal John Henry Newman (1801-1890) selig, der vor allem auch wegen seines akademischen, literarischen und sozialen Wirkens von Anglikanern und Katholiken gleichermaßen verehrt wird. Er war von der anglikanischen Kirche zum Katholizismus übergetreten. Erstmals nahm Benedikt persönlich eine Seligsprechung vor, was seine Wertschätzung für Newman zeigt.

Ein Terroralarm während des Papstbesuches, in dessen Zuge sechs Verdächtige festgenommen worden waren, hat sich als unbegründet erwiesen. Die sechs Männer im Alter zwischen 26 und 50 Jahren sind wieder auf freiem Fuß. Die Straßenkehrer hatten in ihrer Kantine lediglich scherzhaft über einen „Anschlag“ auf den Papst gesprochen.

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