Von Olaf reichert

Frage: Herr Arnold, wie kann es sein, dass gegen Bundeswehrsoldaten, die sich in Afghanistan gegen Angreifer verteidigt haben, möglicherweise in Deutschland ermittelt wird?

Arnold: Langsam: Staatsanwaltliche Ermittlungen sagen noch nichts darüber aus, ob tatsächlich strafrechtliche Tatbestände berührt sind. Grundsätzlich sollte gelten: Wenn Zivilisten in Afghanistan aufgrund einer unglücklichen Verkettung von Umständen zu Tode kommen, sollte ein Staatsanwalt ermitteln. Das gehört zu unserem Rechtsstaat. Wenn aber Terroristen, die die Bundeswehr angegriffen haben, zu Tode kommen, dann gibt es meiner Ansicht nach keinen Anlass für Ermittlungen.

Frage: Der Charakter der Taliban-Angriffe in Kundus hat sich geändert?

Arnold: Ja, in der Region Kundus, die als extrem schwierig gilt, erleben wir jetzt die selben Phänomene wie im Süden oder Osten Afghanistans. Die Aufständischen sind durchaus in der Lage, ein Stück weit militärisch organisiert, strategisch geplant und geübt vorzugehen.

Hat ein aktiveres Vorgehen der Bundeswehr in Kundus diese neue Strategie der Aufständischen provoziert? Schließlich haben KSK-Soldaten erst kürzlich einen Taliban-Führer festgenommen.

Arnold: Das mag einer der möglichen Gründe sein. Die Bundeswehr zieht sich – anders als früher – nach Anschlägen und Sprengstoffattentaten nicht mehr zurück, sondern versucht, den Gegner zu stellen. Der zweite Grund ist sicherlich auch, dass im Süden und Osten Afghanistans der Druck auf die Terroristen so erhöht wurde, dass sie vermehrt nach Norden ausgewichen sind. Ich befürchte aber, und das ist Grund Nummer drei, dass die Taliban im Vorfeld der Bundestagswahl sich die Bundeswehr als bevorzugtes Ziel ausgesucht haben. Sie wissen um die besondere Brisanz dieses Themas bei uns.

Frage: Sie erwarten bis Ende September mehr Angriffe?

Arnold: Ja, es wird in den kommenden Monaten sicherlich eher schwieriger werden.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.