Autor dieses Beitrages ist Mathias Freese. Der 31-Jährige schreibt seit Jahren für den Sportteil dieser Zeitung und verfolgt vor allem Leichtathletik, Radsport und Triathlon.

Für Sport-Fans war das eine Super-Woche: Live-Übertragungen von Europameisterschaften satt, viele Medaillen für deutsche Athleten – es herrschte sogar etwas Olympia-Stimmung.

Sieben Sportarten wollten ihre Kräfte bündeln, um vor allem in Sachen Medienpräsenz gegen den alles dominierenden „König Fußball“ ein größeres Stück vom Aufmerksamkeitskuchen abzubekommen. Das ist bestens gelungen. Die gemeinsam ausgetragenen „European Championships“ haben den kleineren Sportarten, die jeweils zwischen den Olympischen Spielen meistens unter dem öffentlichen Radar agieren, sehr gut getan.

Die Verbände haben ein durchdachtes Paket geschnürt – und ARD und ZDF (sowie Eurosport) haben dankend angenommen. Die Quoten sind hervorragend, die Leichtathletik-Entscheidungen sahen schon unter der Woche fast fünf Millionen, die Schwimm-Wettbewerbe bis zu drei Millionen Menschen. Vor allem aber die Titelkämpfe im Rudern, Radsport, Triathlon, Golf und Kunstturnen haben sicherlich von dieser Allianz profitiert. Denn eins ist klar: Vor allem in Deutschland wäre die Heim-EM der Leichtathleten in Berlin auch so das sportliche Highlight im August gewesen.

Zur Wahrheit gehört dabei natürlich auch, dass sowohl die Leichtathletik-EM in Berlin als auch die anderen Wettbewerbe in Glasgow nur deshalb medial im Vordergrund stehen können, weil die Fußball-Stars noch Pause haben.

Der Termin war gut gewählt – und so haben alle profitiert. Das haben auch die Sportler und Verbände erkannt – auch die Ruderer, die sich ärgerten, angesichts der schon im September anstehenden WM teils nur die „zweite Garde“ nach Glasgow geschickt zu haben. Das werden sie beim nächsten Mal anders planen, kündigte Bundestrainer Ralf Holtmeyer an.

Es wird ein nächstes Mal geben, da kann kein Zweifel bestehen. Auch weitere Sportarten sind gut beraten, sich dem Konzept anzuschließen und vom Olympia-Feeling mitten zwischen den Olympia-Jahren zu profitieren.

Doch bei aller Euphorie ist auch Vorsicht geboten. Emotionen, viel Live-Sport und Teamgeist in Glasgow schön und gut – eine neue Version der Olympischen Spiele dürfen die European Championships aber nicht werden. Vor derartigem Gigantismus sollten sich die Macher tunlichst hüten.

Doch bislang betonen die Ideengeber Marc Jörg und Paul Bristow, dass sie weder Unmengen Geld ausgeben noch überhaupt neue Stätten bauen wollen. Das ist auch gut so. Denn bei aller Begeisterung: Es sind eben doch keine Olympischen Spiele.

Deshalb hat auch der gemeinsame Medaillenspiegel eigentlich keine Aussagekraft – es sind „nur“ die Europameisterschaften einiger willkürlich zusammengewürfelten Sportarten. Die Gesamt-Nationenwertung hat nur Sinn für die Athleten, die Motivation aus dem entstehenden Mannschaftszusammenhalt ziehen – Stichwort „Team D“. Denn auch nur ein bisschen Olympia-Stimmung kann zur persönlichen Bestleistung antreiben.

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