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Anwohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten

Kirchheimbolanden Ihre gute Laune steckt an. „Es geht nach wie vor noch etwas rund“, sagt Lisel Heise am Ende eines turbulenten Jahres und lacht. Seit Juni sitzt sie im Stadtrat ihres pfälzischen Heimatorts Kirchheimbolanden – im Alter von 100 Jahren. Die Nachricht vom Wahlerfolg der älteren Dame mit den weißen Haaren ging um die Welt, nun will Heise politisch gestalten. „Aber ich mache keine Pläne für nächstes Jahr. Ich lasse alles an mich rankommen“, betont sie. „Meine Kräfte sind nicht unerschöpflich.“

Für die ehemalige Lehrerin, geboren am 12. März 1919, war es ein unglaubliches 101. Lebensjahr. „Wer etwas ändern will, muss sich dafür einsetzen“, sagte Heise und kandidierte im Mai für die Initiative „Wir für Kibo“. Kibo steht für Kirchheimbolanden, einen Ort mit knapp 8000 Einwohnern. Die Wahl wurde zum Triumph: Sie erhielt die meisten Stimmen (991), rückte von Listenplatz 20 auf Platz 1 vor und erhielt eins von zwei Mandaten ihrer Wählergruppe. Insgesamt hat der Stadtrat 24 Sitze. „Das war schon ein gutes Gefühl“, sagt die Stadträtin. „Ich habe aber auch zuvor versucht, etwas in der Gemeinde zu machen.“

Letzter Anstoß für ihr Engagement ist die Schließung ihres geliebten Freibads 2011. „Der Zustand ist Idiotie! Mir blutet das Herz“, sagte sie vor der Wahl. „Das war mein Lebenselixier und ein Kinderzimmer für viele im Ort.“ Nun gibt es Hoffnung: „Auf Lisel Heises Initiative hin wurde der Verein ,Badegewässer in Kibo‘ Ende September ins Vereinsregister eingetragen“, teilt Thomas Bock von „Wir für Kibo“ mit. Die Ideen reichen von einem Löschteich über ein Naturfreibad bis hin zu einem Badesee. „Mit Lisel Heises Hilfe werden wir das Thema in den kommenden Monaten weiter voranbringen“, kündigt Bock an.

„Ich bin froh – zuvor habe ich mir ja den Mund fusselig geredet“, sagt die Hundertjährige. „Jetzt habe ich aber echt Hoffnung, dass es etwas wird.“ Als Stadträtin habe sie mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. „Jetzt darf ich reden – und die Leute hören zu.“

Sie hat vier Kinder großgezogen und ist begeistert vom politischen Engagement der heutigen Jugend, etwa bei der Klimabewegung Fridays for Future. „Das macht mir Hoffnung.“ Hingegen könne sie beim Blick auf die Weltpolitik manchmal „das große Grausen“ packen.

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