Kiew Der Herausforderer Wolodymyr Selenskyj hat die Präsidentschaftswahl in der Ukraine einer Nachwahlbefragung zufolge deutlich gewonnen. Der Komiker kam in der Stichwahl vom Sonntag demnach auf fast drei Viertel der Stimmen. Der unterlegene Amtsinhaber Petro Poroschenko sagte, er sei bereit, Selenskyj im Zuge der Amtsübergabe zu unterstützen „Ich verlasse das Amt, aber ich möchte deutlich unterstreichen, dass ich nicht die Politik verlasse“, sagte Poroschenko.

Selenskyj hat keine Erfahrung in der Politik. Der 41-Jährige wurde in der Ukraine dafür bekannt, dass er in einer Fernsehserie einen Lehrer spielte, der Präsident wurde, nachdem sich ein Video verbreitete, in dem er Korruption anprangerte. Nun dürfte er auch in der Realität Präsident werden.

Selenski sagte nach Bekanntwerden der Umfrage, sein offensichtlicher Sieg könne Modell für andere Staaten der ehemaligen Sowjetunion sein, erstarrte Politik zu überwinden. „Während ich noch nicht Präsident bin, kann ich als Bürger der Ukraine sprechen: An alle Länder der ehemaligen Sowjetunion, schaut auf uns. Alles ist möglich“, sagte er. Er werde die Ukrainer nicht enttäuschen: „Ich verspreche, ich werde euch nie im Stich lassen“, sagte er.

Während Poroschenkos fünfjähriger Amtszeit blieb Korruption in der Ukraine weit verbreitet. Das Land führte zudem in seinem Osten Krieg gegen von Russland unterstützte Separatisten, wodurch mehr als 13 000 Menschen ums Leben kamen. Millionen Menschen in den östlichen Landesteilen unter der Kontrolle der Rebellen und der von Russland annektierten Krim konnten nicht an der Präsidentschaftswahl teilnehmen. Poroschenko hatte die Wähler mit einem Seitenhieb auf Selenskyj gewarnt: „Es könnte am Anfang lustig sein, aber später könnte Schmerz kommen.“

Selenskyj hat angekündigt, die Ukraine weiterhin Richtung Westen zu führen und das direkte Gespräch mit Russland zu suchen, um den bewaffneten Konfikt mit den Separatisten zu beenden. Er entstammt dem russischsprachigen Osten der Ukraine und hat sich gegen ein Gesetzesvorhaben ausgesprochen, mit dem Poroschenko die russische Sprache verbieten wollte.

In einer Nachwahlbefragung kam Selenskyj auf 73,2 Prozent der Stimmen und Poroschenko auf 25,3 Prozent. Für die Umfrage des Kiewer Internationalen Institut der Soziologie und des Rasumkow-Zentrums wurden mehr als 13 000 Antworten an 300 Wahllokalen ausgewertet. Die Fehlerspanne wurde mit drei Prozentpunkten angegeben.

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