Istanbul Die wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte deutsche Journalistin Mesale Tolu darf das Land verlassen. Ihre Ausreisesperre sei nach Einspruch ihrer Anwälte aufgehoben worden, bestätigte Tolu am Montagmorgen via Twitter. „Ich bedanke mich bei meinem Unterstützerkreis und bei allen, die mit mir mitgefühlt und an meiner Seite sich für meine Freiheit eingesetzt haben“, schrieb sie.

Tolu veröffentlichte auf Twitter zudem eine Erklärung, die der Solidaritätskreis „Freiheit für Mesale Tolu“ zuvor per Mail verbreitet hatte und schrieb: „Diese Entwicklung bedeutet aber nicht, dass alles vorbei ist: Der Prozess geht am 16. Oktober weiter.“

Tolus Mann, Suat Corlu, der im selben Verfahren angeklagt ist, wird nach Angaben des Solidaritätskreises vorerst in der Türkei bleiben müssen. Seine Ausreisesperre bleibe bestehen. Der Sprecher des Solidaritätskreises, Baki Selcuk, sagte, Tolu habe ihm von der Entscheidung des Gerichts schon am Freitag erzählt. Cengiz Dogan, ebenfalls Mitglied des Unterstützerkreises, erklärte: „Wir freuen uns, dass Mesale Tolu mit ihrem Sohn nach Deutschland kommt und ohne Furcht und Angst leben kann.“ Es sei allerdings „schade“, dass Suat Corlu nicht ausreisen dürfe, dadurch werde die Familie getrennt. „Ich hoffe, dass auch das bald ein Ende hat.“

Die Entscheidung des Gerichts kommt inmitten eines Streits mit den USA wegen des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson – und einer Serie von Annäherungsversuchen der Türkei an Europa und speziell Deutschland. Noch Ende April hatte das Istanbuler Gericht bei der Fortsetzung des Prozesses gegen Tolu entschieden, die Ausreisesperre aufrechtzuerhalten. Tolu wird Mitgliedschaft in der linksextremen MLKP vorgeworfen, die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

Der Fall Tolu hatte, zusammen mit dem des „Welt“-Reporters Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner, die Beziehungen zu Deutschland schwer belastet. Tolu saß mehr als sieben Monate in Untersuchungshaft, zwischenzeitlich mit ihrem kleinen Sohn. Steudtner war rund drei Monate inhaftiert, Yücel ein Jahr. Nach ihrer Haftentlassung durften Steudtner und Yücel ausreisen, auch ihre Prozesse gehen in Abwesenheit weiter. Seit Dezember ist Tolu frei, durfte aber nicht ausreisen.

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