Berlin Es war ein angeschlagenes Regierungsbündnis, das Kanzler Helmut Schmidt 1980 in die Bundestagswahl führte. Nach elf Jahren an der Macht hatten sich die Gemeinsamkeiten zwischen SPD und FDP abgenutzt. „Helmut Schmidt ja, SPD na ja“, kommentierte der damalige FDP-Generalsekretär Günter Verheugen den Wahlkampf seiner Partei am Wahlabend freimütig. Doch die Union schickte den bayerischen Polit-Polterer Franz Josef Strauß ins Rennen – und schweißte die Koalitionäre damit zusammen.

Strauß hatte zwar einst kundgetan, es sei reizvoller, Ananas in Alaska zu züchten, als Kanzler zu werden. Doch 1980 setzte er sich als erster CSU-Politiker gegen den Wunschkandidaten der größeren Schwesterpartei CDU durch. Strauß, der sich gern als Angehöriger des „Vereins für deutliche Aussprache“ bezeichnete, polarisierte wie kein zweiter bundesdeutscher Politiker – wobei auch seine Gegner dem Vollblutpolitiker durchaus Respekt zollten.

Der bayerische Ministerpräsident war ein erbitterter Gegner der Annäherung an den Osten, die SPD-Kanzler Willy Brandt eingeschlagen hatte. Seine Medienschelten und die Attacken gegen seine Gegner sind legendär. Als Verteidigungsminister hatte er zurücktreten müssen, nachdem er Büros des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ hatte durchsuchen lassen. Der emotionale Wahlkampf stand unter dem Eindruck des RAF-Terrors und internationaler Spannungen. Klare Sieger waren am Ende die Liberalen von Hans-Dietrich Genscher. Die FDP erreichte 10,6 Prozent, 2,7 Punkte mehr als vier Jahre zuvor. Die SPD blieb mit 42,9 Prozent auf etwa gleichem Niveau.

Verheerend das Resultat für die Union: CDU und CSU büßten 4,1 Punkte ein und fielen auf 44,5 Prozent. Das war bis dato ihr schlechtestes Ergebnis auf Bundesebene – und für Strauß das Ende seiner bundespolitischen Ambitionen. „Das Großmaul aus Bayern wurde zu Bett gebracht“, kommentierte der „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein. Die sozialliberale Koalition um den Hanseaten Helmut Schmidt dagegen rettete das Ergebnis in die nächste Legislaturperiode.

Doch das Bündnis bekam keinen zweiten Frühling. Die internen Konflikte nahmen zu, die sozialdemokratische Basis haderte mit ihrem Kanzler. Nur zwei Jahre später ließen die Liberalen das Projekt dann ganz platzen. Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff legte ein Positionspapier vor, das einer Kampfansage an den Koalitionspartner gleichkam: Der FDP-Politiker wollte das Arbeitslosengeld begrenzen, die Arbeitslosen- mit der Sozialhilfe zusammenlegen und andere heilige Kühe der Sozialdemokratie schlachten.

„Das war ganz klar, dass das Papier darauf abrichtete, die Koalition zu beenden“, sagte Altkanzler Schmidt im vergangenen Jahr in einer 3Sat-Dokumentation. Es folgte der Partnertausch der Liberalen: Am 1. Oktober 1982 stürzten FDP und CDU Schmidt in einem konstruktiven Misstrauensvotum.

Der lachende Dritte war CDU-Chef Helmut Kohl, der bei der Bundestagswahl 1976 noch Schmidt unterlegen war. Er fand über diesen Umweg doch noch den Weg ins Kanzleramt – und sollte 16 Jahre dort bleiben.

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