Hannover Medikamentenversuche in niedersächsischen Kliniken: Laut einer Studie des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung gibt es Hinweise auf Vorfälle in niedersächsischen Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie in den Jahren 1945 bis 1978. Belege für solche Versuche fanden sich insbesondere in Akten der Kinder- und Jugendpsychiatrie Wunstorf, wie das Sozialministerium in Hannover mitteilte.

Die 110 Seiten umfassende Untersuchung belege das erschreckende Ausmaß illegaler und zutiefst unethischer Arzneimittelstudien, sagte Sozialministerin Carola Reimann (SPD). „Was wir heute für die Betroffenen tun können, ist, die Missstände der damaligen Zeit historisch aufzuarbeiten und öffentlich zu machen. und das erlittene Leid anzuerkennen“, sagte Reimann.

Für die Untersuchung wertete die Wissenschaftlerin Christine Hartig Akten von kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken in Wunstorf und Königslutter, der Universitätsklinik Göttingen und von Erziehungsheimen aus. In einer Studie im Juni 2019 hatte es bereits Hinweise auf die Versuche gegeben.

Hartig schätzt, dass in Wunstorf zwischen 1953 und 1976 etwa vier Prozent der aufgenommenen Kinder und Jugendlichen betroffen waren. Ihnen seien auch Stoffe verabreicht worden, die noch nicht auf dem Markt waren.

Bei zugelassenen Medikamenten sei es um Fragen gegangen, die heute Teil von Arzneimittelstudien seien, wie die Ausweitung des Indikationsbereiches oder die Dosierung. Unter anderem handelte es sich um Neuroleptika, Schlafmittel und Antidepressiva. Ein Ziel sei gewesen, eine Medikation zu finden, um verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche leichter betreuen zu können. „Dabei wurden Nebenwirkungen billigend in Kauf genommen“, hieß es. Öffentliche Stellen hätten Arzneimittelversuche akzeptiert, um Geld für Medikamente zu sparen.

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