Hannover Die Unterrichtsversorgung an Niedersachsens Schulen hat sich laut Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) im ersten Halbjahr 2019/20 etwas verbessert. Zum Stichtag 29. August habe die Quote bei 99,6 Prozent gelegen, ein Jahr zuvor waren es 99,4 Prozent, wie Tonne am Freitag in Hannover bekanntgab. Der Anstieg sei auch darauf zurückzuführen, dass im abgelaufenen Kalenderjahr rund 800 Lehrer mehr eingestellt wurden als in den Ruhestand gingen.

Tonne sprach von einem „soliden Wert“ der Unterrichtsversorgung und einem „Schritt nach vorne“. Für das zweite Halbjahr seien bisher rund 1100 der 1350 ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt. „Wir haben jetzt einen vernünftigen Trend.“

Allerdings ist die Unterrichtsversorgung an Gymnasien und Grundschulen deutlich besser als etwa an den Hauptschulen. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte daher, der Durchschnittswert verdecke die Probleme an den unterschiedlichen Schulformen. Mit der Wiedereinführung der 13. Klasse an den Gymnasien im Sommer drohe an Haupt-, Real- und Oberschulen zudem eine weitere Verschlechterung.

„Uns besorgt die Frage, wie groß die Löcher in den anderen Schulformen werden, wenn die abgeordneten Lehrkräfte zurück an die Gymnasien müssen“, sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Wegen Krankheitsausfällen und Fortbildungen der Lehrer sei ohnehin erst eine Unterrichtsversorgung von 105 Prozent in der Praxis ausreichend. Während die Gymnasien laut Ministerium zurzeit auf 102,2 Prozent kommen, erreichen die Hauptschulen lediglich 94,3 Prozent.

Die Unterrichtsversorgung gibt an, zu welchem Prozentsatz der vorgesehene Unterricht und zusätzliche Lehrerstunden für Inklusion, Ganztagsschule und Sprachförderung abgedeckt werden können. Der kurzfristige Ausfall von Schulstunden wegen der Erkrankung von Lehrern ist in diesem Wert nicht eingerechnet.

Der FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling warf Tonne angesichts der neuen Zahlen gar Realitätsverweigerung vor. Es fehlten rund 200 Lehrer, um das Minimum an Schule leisten zu können, das den Schülern zustehe. Mit der Rückkehr zur 13. Klasse seien von Sommer an 1250 weitere Stellen notwendig. „Dafür wurde bisher keinerlei Vorsorge getroffen“, sagte Försterling. „Es droht ein Schulnotstand.“ Tonne betonte: „Davon sind wir meilenweit entfernt“. Im Herbst hatte die FDP für das erste Halbjahr 2019/20 eine Unterrichtsversorgung von 98,9 Prozent prognostiziert.

Aber auch der Philologenverband Niedersachsen kritisierte, die Versorgungsquote verschleiere den Blick auf den tatsächlichen Einstellungsbedarf. An Gymnasien gebe es vor allem in Mathematik, Informatik und den Naturwissenschaften Probleme. Außerdem gehe es bei den Abordnungen lediglich um Stundenkontingente und nicht um pädagogische Gründe. „Die Berichte aus den Schulen sind nach wie vor alarmierend“, sagte Verbandschef Horst Audritz.

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