Hannover Wortkarg war der 40-Jährige vor Gericht: Ja, er erinnere sich daran, geschlagen worden zu sein. Nein, es war nicht schlimm, es habe „einen Konflikt“ um seine Ex-Partnerin gegeben, der sei jetzt bereinigt. Richterin Monika Pinski fragte, ob er sich eingeschüchtert fühle vom Prozess am Amtsgericht Hannover, von den Männern auf der Anklagebank. Das verneinte er. Im Prozess gegen Rockerboss Frank Hanebuth wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Beihilfe zur Nötigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz verweigerte das mutmaßliche Opfer die Aussage weitgehend. Die Angeklagten wirkten amüsiert.

Schon zu Beginn summte Hanebuth vor sich hin, trommelte mit den Fingern auf dem Tisch, gab sich maximal entspannt. Der Zeuge dagegen sank auf seinem Stuhl zusammen, wirkte nervös. Die Polizei habe aus dem Vorfall erst „eine Affäre gemacht“. Und: „Ich fühle mich hier wie ein Angeklagter.“ An vieles erinnerte er sich nicht.

Im April 2018 sollen mehrere Männer um Hanebuth zu dem Kfz-Mechaniker gekommen sein. Der 40-Jährige soll geschlagen worden sein – allerdings nicht von Hanebuth, sondern von einem heute 46-Jährigen. Bei dem Vorfall ging es laut Anklage um Mietrückstände von 2500 Euro. Bei einer Razzia im Zusammenhang mit den Vorwürfen sollen im November 2018 verbotene Waffen auf dem Anwesen von Hanebuth gefunden worden sein. Alle Beschuldigten gehörten laut Anklage zur Rockergruppe Hells Angels.

Der 40-Jährige beteuerte vor Gericht, es gehe nicht um Geld, sondern um den „Konflikt“ mit seiner Ex-Partnerin – bei der er allerdings Schulden gehabt habe, die der neue Freund der 44-Jährigen eintreiben wollte, der ihn dann geschlagen haben soll. Nach den Worten der Vorsitzenden Richterin soll der 40-Jährige sich bewaffnet und auf seinem Firmengelände geschossen haben. Dies sei aber nicht wegen des Streits geschehen, beteuerte der Zeuge. Er sagte auch, er sei unsicher, ob er sich mit einer Aussage selbst belasten würde.

Die 44-Jährige sagte aus, ihr 40-Jähriger Ex-Partner habe eine Waffe gezogen und den 46-Jährigen bedroht, es sei ein Schuss gefallen. Zuvor habe der Kfz-Mechaniker sie und ihre 26-jährige Tochter über Jahre bedroht. Hintergrund seien Schulden von rund 5400 Euro gewesen.

Ein Polizist, der vor mehr als zwei Jahren die Zeugenaussage aufgenommen hatte, erklärte, der 40-Jährige habe von Schutzgeldforderungen gesprochen. Er habe glaubhaft, aber ängstlich gewirkt. Ein Urteil soll voraussichtlich am Donnerstag fallen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.