Hannover Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann zieht es offenbar hin und wieder zurück zu seinen Wurzeln. Jedenfalls wildert der CDU-Politiker und frühere niedersächsische Kultusminister (2010 bis 2013) im Revier des aktuellen Kultusministers Grant Hendrik Tonne, was der SPD-Politiker wiederum nicht sonderlich amüsant findet.

Inhaltlich geht es um die Berufsschulen im Land, für die Althusmann die Zuständigkeit gern an sich reißen würde. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die berufsbildenden Schulen mit ihrer wirtschaftlichen Prägung und ihrem hauptsächlichen Anteil in Betrieben eher beim Wirtschaftsministerium angesiedelt werden könnten“, sagt Althusmann, der einst als Kultusminister ein entsprechendes Ansinnen des damaligen Wirtschaftsministers Jörg Bode (FDP) noch ausdrücklich abgelehnt hatte. „Heute sehe ich das als Wirtschaftsminister dezidiert anders“, betont Althusmann, der seinen Vorstoß vorige Woche am Rande des Plenums live während eines Schüler-Interviews für eine Online-Radio-Sendung vorgetragen hatte.

In dem Gespräch hatte der Wirtschaftsminister auch gleich noch weitere bildungspolitische Vorschläge parat: „Bei allen Stärken des Wettbewerbsföderalismus, also des schulischen Wettbewerbs um Bildungsfragen in den 16 Bundesländen, müssen wir uns unter den Ländern stärker annähern in der Vergleichbarkeit der Abschlüsse und der Inhalte – ohne jetzt der Zentralisierung das Wort zu reden“, so Althusmann. Er wünsche sich eine „große Bildungsreform für Deutschland, die das auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung endlich mal anpackt“.

Er könne die Skepsis vieler Bundesbürger und Bildungspolitiker in den Ländern und dem Bund gegenüber Kultusministerkonferenz und nationalem Bildungsrat „sehr nachvollziehen“. „Wir brauchen hier mal einen großen Wurf für das Bildungssystem in Deutschland. Denn Bildung ist unsere entscheidende Ressource im Wettbewerb mit China, den USA und vielen anderen Systemen in der Welt.“

Kultusminister Tonne indes hält insbesondere von dem Vorschlag, die Berufsschulen ans Wirtschaftsministerium abzutreten, rein gar nichts. „Ich sehe hier keinen Änderungsbedarf“, weist er den Vorstoß zurück und fügt hinzu: „Die berufsbildenden Schulen erfüllen einen umfassenden Bildungsauftrag und sind deshalb im Bildungsministerium bestens aufgehoben.“

Er könne allerdings verstehen, dass sich sein Kollege Althusmann zurücksehne nach der Zuständigkeit für die berufsbildenden Schulen. „Denn da arbeiten tolle Menschen, die pragmatisch anpacken und für die auszubildenden Schülerinnen und Schüler richtig gute Arbeit leisten“, erklärt Tonne und hat seinerseits auch einen kleinen Tipp für seinen Ministerkollegen auf Lager: „Wir sind gut beraten, wenn jeder in seinem Zuständigkeitsbereich maximalen Einsatz zeigt und die Ministerien darüber hinaus eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit pflegen.“

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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