Halle /Delmenhorst /Oldenburg Nach dem Attentat am Mittwoch auf die Synagoge in Halle fordert die Jüdische Gemeinde in Oldenburg mehr Schutz von der Polizei – besonders an hohen jüdischen Feiertagen. „Es gab hier in Oldenburg zwar noch keine Drohungen gegen die Gemeinde, das war in Halle aber auch nicht der Fall“, sagte der 2. Vorsitzende der Gemeinde, Ernst Sittig.

Für den kurzfristig bereitgestellten Schutz der Oldenburger Synagoge, in der Gemeindemitglieder das Jom-Kippur-Fest feierten, sei er aber dankbar. Die Polizei hatte die Sicherheitsmaßnahmen nach dem Attentat in Halle verstärkt. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung der Jüdischen Gemeinde in Oldenburg lägen nicht vor, hieß es am Donnerstag von der Polizeidirektion Oldenburg. Man sei aber weiter wachsam.

Ermittler und Bundesregierung stuften am Donnerstag den Angriff auf die Hallenser Synagoge als rechtsextremistischen Terroranschlag ein.

Im Oldenburger Land herrschte nach dem brutalen Angriff mit zwei Toten Entsetzen – auch wenn nicht alle überrascht sind. „Ich wusste, dass es irgendwann so kommen würde“, sagt Pedro Becerra, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Delmenhorst. Es sei erschreckend, dass sich jemand das Material für Schusswaffen und Sprengstoff einfach selbst besorgen könne. „Wir haben eine Situation, in der rechtsradikale Schläfer aufstehen und sich auf den Weg machen. Das ist ein Problem.“

Auch Hartmut Peters, Gründer des Zentrums für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region in Jever, hat mit einer Eskalation der Gewalt gegenüber Juden gerechnet. Seit den rechtsradikalen NSU-Anschlägen sei es offensichtlich, wohin es mit der Gesellschaft gehe.

Fassungslos zeigte sich Thomas Adomeit, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Oldenburg: „Es ist erschütternd, dass Menschen in Deutschland aufgrund ihres Glaubens um Leib und Leben fürchten müssen.“

Am Donnerstagabend fand in der Oldenburger Innenstadt eine Mahnwache statt. Organisiert wurde sie vom Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Oldenburg. Auch im Oldenburger Land gebe es neonazistische und völkische Gruppen, deren Ideologie „eine Gefahr für jüdisches Leben darstellt“, erklärte Bündnis-Sprecherin Johanna Faber.

Die Aufarbeitung der Taten in Halle geht derweil weiter. Stephan B., der mutmaßliche Attentäter, war am Mittwoch festgenommen worden, nachdem er vor der Synagoge in Halle eine Frau und später in einem Döner-Imbiss einen Mann erschossen hatte. Zuvor hatte er vergeblich versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen, die anlässlich des wichtigsten jüdischen Festes, Jom Kippur, gut besucht war.

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
Nathalie Meng Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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