Im Nordwesten Der Streit zwischen der Politik und den Bauern um die Nitratbelastung des Grundwassers durch die Landwirtschaft geht in die nächste Runde.

In Vorbereitung auf die angekündigte Klage gegen die Düngebeschränkungen hat das Landvolk Niedersachsen jetzt ein Gutachten vorgelegt, das die Kritik an dem Messstellennetz fachlich untermauern soll. Fast jede zweite Messstelle weise gravierende Mängel auf, heißt es unter anderem in dem Prüfbericht des Berliner Büros Hydor Consult.

Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke sieht sich in seiner Kritik bestärkt: „Die Ergebnisse sind aus unserer Sicht erschreckend.“ Das Gutachten belege Mängel an den bautechnischen Zuständen vieler Messstellen, deren gesamtes Netz als wenig repräsentativ eingestuft werde und sich somit nicht zur Festlegung der sogenannten Roten Gebiete eigne. „Vorher war immer zu hören, es gebe nichts zu bemängeln, jetzt haben wir das Gutachten“, sagt to Brinke mit Blick auf das Umweltministerium.

Das Landvolk fordere nun eine grundlegende Überprüfung der Messstellen sowie einen Neuzuschnitt des Messnetzes und daraus resultierend „eine fundierte Überarbeitung der Gebietsausweisung“, fasst to Brinke die Forderungen zusammen. Tatsächlich kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass die geringe Dichte der Messstellen nicht repräsentativ ist. Zudem werde das Fließverhalten des Grundwassers nicht ausreichend beachtet. Insgesamt wurden von den Gutachtern 648 Messstellen auf ihre Qualität überprüft, parallel dazu die auf Grundlage dieser Messstellen beruhende Zustandsbeschreibung der Grundwasserkörper.

Dabei kam das Berliner Unternehmen zu dem Ergebnis, dass 90 der 648 überprüften Messstellen gravierende Mängel aufweisen. An weiteren 194 Messstellen weist das Gutachten geringe Mängel aus. Bei insgesamt 264 Messstellen seien belastbare Aussagen zur Nitratbelastung nicht möglich, weil die Dokumentation der Ausbaupläne der Messstellen für eine Bewertung unzureichend seien.

Dem Landvolk-Präsidenten ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass es den Bauern nicht darum geht, den Schutz des Grundwassers infrage zu stellen: „Wir Landwirte stehen zu unserer Verantwortung für den Gewässerschutz“, betont to Brinke. Dazu müssten allerdings „gesicherte, glaubhafte und präzise Daten“ vorliegen. Gerade vor der großen Bedeutung, die dem Ergebnis jeder einzelnen Messstelle bei der Festlegung der Düngeauflagen zukomme, müsse deren Aussagekraft „absolut unangreifbar“ sein. „Die Landwirte müssen sich darauf verlassen können, dass schlechte Messstellenwerte auch valide sind“, betont der Landvolkpräsident.

Gelassen reagiert das Umweltministerium auf das Gutachten. „In der Bewertung sind wir gar nicht weit auseinander. Allerdings in der Frage, ob es gravierende Mängel gibt und die Nitrat-Messwerte falsch sind, sind wir ein ganzes Stück auseinander“, sagt Umweltminister Olaf Lies (SPD). Es sei sowieso geplant, jede Messstelle zu überprüfen und am Ende werde es klare Ergebnisse geben, wo gehandelt werden muss, so der Minister.

Jörg Jung Redakteur / Regionalredaktion
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