PARIS Barack Obama und Nicolas Sarkozy standen in dunklen Anzügen nebeneinander. Die beiden „First Ladies“ Michelle Obama und Carla Sarkozy schritten ihnen ganz in Weiß auf dem roten Teppich entgegen. Und zur Begrüßung in der Präfektur gab es synchrone Wangenküsschen. Alles war bis ins Kleinste harmonisch abgestimmt beim amerikanisch-französischen „Paarlauf“ in der Normandie. Für Prinz Charles, Gordon Brown und die anderen blieben da nur Nebenrollen.

Zur Gedenkveranstaltung auf dem US-Heldenfriedhof in Colleville schien dann auch noch die Sonne. Und an allen Gräbern der US-Soldaten flatterten französische Fähnchen im Wind. Obama und Sarkozy konnten zufrieden sein. Denn bis zuletzt drohte ein groteskes Protokollgerangel, dem Gedenken an die Amerikaner, die für die Befreiung Frankreichs vom Nazi-Joch ihr Leben ließen, die Würde zu nehmen.

Sarkozy hatte für den Vorabend der Europawahl eine Feier nur mit Obama geplant. Beide Präsidenten auf historischem Grund vereint: „Das Symbol war zu schön, um es zu teilen“, lästerte das Nachrichtenmagazin „L'Express“. Doch Sarkozy hatte die Rechnung ohne Gordon Brown gemacht. Der politisch schwer angeschlagene britische Premierminister drängte mit aller Macht mit auf das Foto. Nach dem „OK“ für Brown wollten dann aber plötzlich auch noch die Kanadier und sogar die Tschechen und Polen mit ins Bild.

Und die Queen war schockiert. Ausgerechnet das Staatsoberhaupt der Briten und der Kanadier, die am D-Day ebenfalls ihr Blut gelassen hatten, hatte Sarkozy vergessen.

Auch Obama hatte ursprünglich – wie jeder US-Präsident in seinem ersten Amtsjahr – nur eine amerikanisch-französische Zeremonie auf dem US-Friedhof gewollt. Doch am Ende machte er gute Miene zum burlesken Spiel. Als Gastgeber – der Friedhof ist US-Boden – akzeptierte er, dass Sarkozy weitere Gäste einlud. So konnte Brown den Kronprinzen Charles mitbringen und damit die Ehre der englischen Krone retten. Und der kanadische Premier Stephen Harper durfte auch dabei sein.

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Am Ende lief alles perfekt. Nur Brown stand etwas verkrampft zwischen den anderen. Sichtlich angespannt sang der Premier die britische Nationalhymne mit etwas zusammengekniffenen Zähnen – ein scharfer Kontrast zu Obama, der entspannt zu den Tönen der US-Hymne „Star-Spangled Banner“ die Hand aufs Herz legte.

Die Landung in der Normandie ist für Obama auch ein Stück Familiengeschichte. Und es betrifft einen Verwandten, der für Obama besonders wichtig war: seinen Großvater Stanlay Dunham, der ihm auf Hawaii lange den Vater ersetzt hatte. Die Erinnerung ist „für mich Stanley Dunham, der auf diesem Strand sechs Wochen nach dem D-Day ankam und mit (General George) Pattons Army durch Europa marschierte“, sagte Obama. Und der Krieg damals sei kein Kampf konkurrierender Interessen gewesen, sondern ein Krieg gegen den „Nazi-Totalitarismus“, eine andere Weltsicht, eine böse Ideologie des Hasses auf Andersartige.

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