Frankfurt Der Karfreitag hat es schwer. Schwerer als andere Feiertage des christlichen Kalenders. Der Tag, an dem Jesus ans Kreuz genagelt wurde, ist kein „Feier“-Tag, er ist ein Tag des Schmerzes, ein Tag des Scheiterns, ein Tag, der die Grabesstille, das Innehalten braucht. Doch das Verständnis dafür scheint zu schwinden.

In Österreich ist der Karfreitag seit diesem Jahr kein gesetzlicher Feiertag für Evangelische mehr. Nun müssen sie ihn beim Arbeitgeber als persönlichen Feiertag deklarieren und dafür einen Urlaubstag nehmen. Der österreichische Bischof Michael Bünker hat die evangelischen Gläubigen in seinem Land dazu aufgerufen, am Karfreitag in großer Zahl zum Gottesdienst zu erscheinen. Damit soll die Bedeutung des Karfreitags betont werden. Rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der Regierung werden zurzeit eingeleitet.

In Deutschland wird der Karfreitag immer wieder angefochten, weil er ein „Stiller Feiertag“ ist. Es gilt ein Tanzverbot. Religionskritikern ist das ein Dorn im Auge. Gleichzeitig wird das Kreuz, das im Karfreitag seinen Ursprung hat, als kulturelles und politisches Symbol vereinnahmt – vor allem in der Auseinandersetzung mit dem Islam.

Seit vergangenem Jahr hängt das Kreuz als Symbol gut sichtbar im Eingangsbereich bayerischer Behörden. Für den sogenannten Kreuzerlass bekam Ministerpräsident Markus Söder (CSU) viel Kritik – auch von leitenden Geistlichen der katholischen und evangelischen Kirche. „Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden. Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, damals der „Süddeutschen Zeitung“. Sogar der Vorsitzende der FDP, Christian Lindner, sprach von einer „Profanierung des Kreuzes“.

Das Kreuz – es hat im Karfreitag seinen Ursprung. Es steht für den Tod und die Auferstehung Jesu und ist damit ein Zeichen des Scheiterns und der Liebe Gottes gleichermaßen. Der gekreuzigte Jesus, das Leiden, der Tod, die Katastrophe – das alles ist Menschen näher als das Wunder der Auferstehung. Trotzdem ist der Tag unpopulärer. Dabei hängen Karfreitag und Ostern so eng zusammen, wie die Henne und das Ei. Wer als Christ an Karfreitag in die Kirche geht, kennt bereits die Pointe der Geschichte. Es fällt schwer, sich als Glaubender in die Verzweiflung und Trauer zu stürzen, die die Zeugen der Kreuzigung empfunden haben.

„Karfreitag gehört zweifellos zu den theologisch anspruchsvollsten Feiertagen; aber das helle, heitere und frühlingsgesättigte Osterfest, das Leben und Zuversicht, Hoffnung und Weite eröffnet, braucht diesen Durchgang durch die Schwere, den Jammer, die Einsamkeit des Sterben Jesu Christi, um wirklich strahlen zu können“, sagt der Chef-Theologe im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach.

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