Schwerte Die Ruhrgebietsstadt Schwerte hat bei der Unterbringung von Flüchtlingen einen umstrittenen Weg eingeschlagen. Weil die bevorzugte Unterbringung in Wohnungen nicht ausreicht, wollen Politiker und Beamte rund ein Dutzend Flüchtlinge in einem ehemaligen Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald (Thüringen) im Osten der Stadt einquartieren. Der nordrhein-westfälische Flüchtlingsrat rät von dem Plan ab.

Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs hatten die Nationalsozialisten Hunderte Zwangsarbeiter aus Buchenwald in der Schwerter Außenstelle untergebracht. Sie mussten im Reichsbahnausbesserungswerk Lokomotiven reparieren. 1985 wurden die baulichen Überreste des Lagers unter Denkmalschutz gestellt. Auf Initiative des Schwerter Kulturamtes wurde vier Jahre später eine Gedenkstätte errichtet. Neben einem Gedenkstein hat der Bildhauer und Steinmetz Horst Wegener ein Stück Schienen verlegt. Die Schwellen stellen Zwangsarbeiter mit verzerrten Gesichtern dar.

Die Flüchtlinge sollen in einer übrig gebliebenen Baracke der SS-Wachmannschaft untergebracht werden, unweit der Gedenkstätte. Zwar wurde die Baracke nach dem Krieg schon einmal als Flüchtlingsheim und auch schon als Kindergarten und zuletzt als Künstlerhaus genutzt.

Der Flüchtlingsrat ist dennoch gegen die Lösung. „Wenn ein Flüchtling darauf gestoßen wird, beispielsweise durch den Gedenkstein, an welcher Stelle er untergebracht ist, kann das durchaus eine traumatisierende oder verstärkende Wirkung haben“, sagte die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates, Birgit Naujoks.

Sie sei überrascht, dass Schwerte als Lösung zunächst eine Turnhalle und jetzt die Baracke gewählt habe, obwohl der Stadtrat sich für Wohnungen als oberste Lösung ausgesprochen habe. „Ich bin keine Freundin von Containern. Aber gute Container für eine Übergangszeit sind vielleicht besser.“

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