MüNCHEN Der europäische Sachverständigenrat EEAG befürchtet eine drohende Pleite Griechenlands. Das hoch verschuldete Land könnte spätestens 2013 neue Rettungshilfen brauchen, warnt die Gruppe von Ökonomen um den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, in ihrem Bericht, der der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt.

Der eingeschlagene Sparkurs in Griechenland reiche nicht aus, heißt es in dem EEAG-Bericht. Trotz des harten Sparprogramms wächst der Schuldenberg Griechenlands. Er wird bald 160 Prozent der Wirtschaftsleistung übersteigen. Aus diesem Grund hofft Athen auf eine Streckung der Zahlungsfristen. Zudem wird hinter vorgehaltener Hand über eine Umschuldung gesprochen. Die Regierung in Athen betont jedoch immer wieder, Griechenland werde „jeden Cent“ zurückzahlen.

Doch laut Sachverständigenrat reichten die Einschnitte noch immer nicht aus. Das Gremium empfiehlt als Option gar den Ausschluss des Landes aus der Euro-Zone. Wolle die EU ihr Rettungspaket nicht mit jahrelangen Transfers ausdehnen, blieben neben einem Schulden-Moratorium nur zwei Lösungen: Die Rückkehr des Landes zur alten Währung Drachme oder eine beispiellose Radikalkur, die auch niedrigere Löhne auf breiter Front einschließe.

Rückkehr zur Drachme

Unterdessen hat die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik um den Bremer Professor Rudolf Hickel in Berlin ein Sieben-Punkte-Programm vorgelegt. Zu den vorgeschlagenen Lösungen im Kampf gegen die Krise zählen u.a.: Eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms, um Spekulanten abzuwehren. Euro-Bonds zur finanziellen Stabilisierung. Schuldenschnitt durch Beteiligung der Gläubiger bei der Sanierung. Schaffung eines Europäischen Währungsfonds (EWF) als Ergänzung zur Europäischen Zentralbank (Letztere soll sich nicht nur um Geldwertstabilität, sondern auch um Wachstum kümmern). Statt Schrumpfpolitik wie bei den Konzepten der Sinn-Gruppe werden eine expansive Finanzpolitik und ein öffentliches Investitionsprogramm gefordert.

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EU-Wirtschaftsregierung

Während die einen also mehr oder weniger die Staaten für sich selbst in der Verantwortung sehen, setzen die anderen verstärkt auf gemeinsames EU-Handeln. Deutschland, so Hickel im „Handelsblatt“, trage die Verantwortung, „als europäische Konjunkturlokomotive zu wirken“. Ziel müsse „eine EU-Wirtschaftsregierung“ sein.

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