Elsfleth /Nordenham /Berlin Nach dem Insolvenzantrag der Elsflether Werft fordern Gewerkschafter und Politiker eine Fortsetzung der Sanierungsarbeiten am Segelschulschiff „Gorch Fock“. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dürfe „die Beschäftigten der Werft und bei den Zulieferern nicht hängenlassen“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken. So sieht es auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (Varel), in deren Wahlkreis gleich mehrere Unterauftragnehmer der Elsflether Werft auf offenen Forderungen sitzen. Insgesamt schuldete die Werft den Unterauftragnehmern 20 Millionen Euro, sagte Möller. Dabei habe das Verteidigungsministerium 70 Millionen Euro an die Werft gezahlt. 30 Millionen davon seit 2015 „sind weg“. Und davon wiederum seien 23,5 Millionen Euro über ein Geflecht von Untergesellschaften verschwunden, der Rest über doppelt abgerechnete Leistungen. Das sei „kriminelle Energie Einzelner“. Es könne nicht ein, „dass alle darunter leiden“, sagte Möller.

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Unterdessen hat der neue Werft-Vorstand Dr. Axel Birk am Mittwoch beim zuständigen Amtsgericht in Nordenham einen Insolvenzantrag gestellt. Das Insolvenzgericht hat darauf hin einen Gläubigerausschuss eingesetzt, der aus sechs Groß- und Kleingläubigern besteht. Die Mitglieder des Gläubigerausschusses hatten sich bereits im Vorfeld mit einer Eigenverwaltung einverstanden erklärt. Deshalb ordnete das Gericht die vorläufige Eigenverwaltung des Vermögens der Elsflether Werft AG an. Zum vorläufigen Sachwalter, er prüft unter anderem die Aussichten für eine Sanierung, hat das Gericht den Hamburger Rechtsanwalt Dr. Per Hendrik Heerma bestellt.

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Unterdessen hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schwere Vorwürfe gegen die abgelöste Führung der Elsflether Werft erhoben. Die alte Führung habe nicht nur Geld an Unterauftragnehmer nicht weitergeleitet, „sie hat ein Firmengeflecht aufgebaut von vielen Tochter- und Unterfirmen. Sie hat Millionen aus der Elsflether Werft in dieses Firmengeflecht geleitet.“ Die jetzt beantragte Insolvenz in Eigenverwaltung habe den Vorteil, dass Altschulden eingefroren würden und die Unterauftragnehmer alle an einem Strang ziehen müssten.

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Von der Leyen musste am Mittwoch im Verteidigungsausschuss kritische Fragen beantworten. „Ich erwarte, dass die Ministerin einen guten Plan hat“, sagte die Abgeordnete Siemtje Möller, die Mitglied im Verteidigungsausschuss ist, zur Fortsetzung der Sanierung. Der insolventen Werft müsse der Auftrag nicht zwangsläufig entzogen werden. Wenn das doch geschehe, drohten eine Ausschreibung und weitere Verzögerungen.


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Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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