Kabul Ein Angreifer in einer afghanischen Militäruniform hat auf dem Militärstützpunkt Camp Kharga westlich von Kabul das Feuer eröffnet. Ein US-Generalmajor wurde bei diesem mutmaßlichen Insider-Angriff getötet, rund 15 weitere erlitten Verletzungen, wie die Nachrichtenagentur AP am Dienstag aus US-Militärkreisen erfuhr. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr wurde auch ein deutscher Brigadegeneral getroffen. Er sei aber nicht lebensbedrohlich verletzt.

Der getötete Soldat hat den Rang eines Zwei-Sterne-Generals, wie die AP aus US-Kreisen erfuhr. Er ist damit das ranghöchste amerikanische Todesopfer in dem seit bald 13 Jahren andauernden Kampfeinsatz in Afghanistan.

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, General Mohammed Sahir Asimi, sagte, dass ein „Terrorist in einer Armeeuniform“, das Feuer auf afghanische und ausländische Militärs eröffnet habe. Ob der Angreifer tatsächlich Soldat war, sagte Asimi nicht. Die Bundeswehr ging in ihrer Stellungnahme von einem Angreifer aus den Reihen des Militärs aus. Der Angreifer sei erschossen worden, sagte Asimi. Mindestens drei weitere afghanische Soldaten wurden verletzt.

Präsident Hamid Karsai verurteilte die Tat. Er machte Feinde des Staates dafür verantwortlich, die nicht wollten, dass Afghanistan starke Institutionen bekomme.

In Camp Kharga werden Offiziere für das afghanische Militär ausgebildet. Der Stützpunkt ist auch unter dem Namen „Sandhurst in the sand“ bekannt - in Anspielung auf die berühmte britische Militärakademie. Britische Truppen bauten in dem Lager die Offiziersausbildung auf. Das britische Verteidigungsministerium erklärte, es untersuche den Zwischenfall noch. Auch die internationale Afghanistanschutztruppe Isaf wollte sich erst nach einer Einschätzung der Lage weiter äußern. Nach der Attacke war die Stimmung angespannt. Ein Soldat feuerte in unmittelbarer Nähe von AP-Journalisten und Passanten einen Warnschuss ab, als ein Isaf-Konvoi Camp Kargha verließ.

In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Attacken von Mitgliedern der afghanischen Sicherheitskräfte auf Isaf-Soldaten gekommen. Zuletzt gab es aber immer weniger dieser sogenannten Insider-Angriffe. 2012 wurden noch 53 Isaf-Soldaten bei solchen Attacken getötet, 2013 waren es 16. Zu einigen davon bekannten sich die Taliban. Andere wurden auf persönliche Streitigkeiten oder den Ärger einiger Afghanen über die anhaltende Präsenz internationaler Soldaten zurückgeführt.

Auch in der Provinz Paktia im Osten Afghanistans kam es am Dienstag in der Nähe des Amtssitzes des Gouverneurs zu einer Schießerei zwischen einem afghanischen Wachpolizisten und Isaf-Soldaten, wie die Polizei mitteilte. Der Angreifer sei getötet worden. Ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten gab, war nicht klar.

Im Westen, in Herat, kamen am Dienstag bei einem Isaf-Hubschrauberangriff auf Stellungen der Taliban nach afghanischen Angaben auch vier Zivilisten ums Leben. Die internationalen Schutztruppen kündigten an, die Berichte zu prüfen. Der Tod von Zivilisten bei internationalen Einsätzen ist einer der Hauptgründe für den Missmut vieler Afghanen über die Nato. Hunderte Menschen gingen am Dienstag in Herat gegen das Militärbündnis auf die Straße.

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