Berlin Trotz niedriger Ansteckungszahlen und des Impffortschritts mahnen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, die Bevölkerung angesichts der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus weiter zu großer Vorsicht. Die Frage sei nicht, ob die Variante die dominierende werde, sondern nur wann und unter welchen Bedingungen, sagte Spahn bei der wöchentlichen Pressekonferenz zur Corona-Lage am Freitag in Berlin.

Seinen Angaben zufolge waren am Freitag 29,6 Prozent der Bevölkerung vollständig und 50,1 Prozent mindestens einmal geimpft. Die Zahl der Neuansteckungen wurde am Freitagmorgen mit 1.076 angegeben, vor einer Woche waren es 2.440 Ansteckungen. Die Delta-Variante des Virus ist laut Spahn derzeit für rund sechs Prozent der Ansteckungen verantwortlich.

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Noch verbreite sie sich auf niedrigem Niveau, das aber besonders schnell, sagte Spahn. Das könne die derzeitigen Erfolge bei der Pandemie-Bekämpfung wieder in Frage zu stellen. Um die Ausbreitung exakt zu erfassen, würden alle Positiv-Testungen daraufhin untersucht, auf welche Virus-Variante sie zurückgehen, erklärte Spahn.

Wieler verwies auf Erkenntnisse aus Großbritannien, wonach nur vollständig geimpfte Menschen vor schweren Verläufen nach einer Infektion mit der Delta-Variante geschützt sind. Eine einmalige Impfung reiche nicht, sagte er. In Großbritannien sei die Delta-Variante bereits für 90 Prozent der Ansteckungen verantwortlich.

Wie es in Deutschland weitergehe, hänge entscheidend vom Impffortschritt ab und davon, „wie wir uns verhalten“, sagte Wieler und warb darum, auch bei niedrigen Inzidenzen und über den ganzen Sommer die AHA-Regeln einzuhalten. In Innenräumen, im öffentlichen Verkehr, am Arbeitsplatz und auch in den Schulen sollten weiterhin die Masken getragen werden, empfahl Wieler. Es komme weiter entscheidend darauf an, die Infektionszahlen niedrig zu halten: „Zu große Lockerungen werden dazu führen, dass die Virusverbreitung wieder zunimmt“, warnte Wieler.

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Spahn ergänzte, wo bei niedrigen Inzidenzen regional gelockert werde, müssten die Verantwortlichen in den Landkreisen auch bereit sein, die Regeln wieder zu verschärfen, wenn die Zahlen steigen. Die Lehre aus den vergangenen Monaten müsse sein, dass man nicht warten dürfe: „Nicht erst eingreifen bei 50“, warnte Spahn, „sondern möglichst früh!“

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sinkt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz derzeit weiter und lag am Freitag bei 10,3. Sie gibt an, wie viele Menschen auf 100.000 Einwohner sich binnen sieben Tagen mit dem Virus anstecken. Vor einer Woche betrug sie 19.

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