Hannover Ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie in Niedersachsen stagnieren die Infektionszahlen und das Land befindet sich nach Worten von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) weiter in der schwersten Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs. „Die gesundheitlichen, sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden sind auch in unserem Land noch gar nicht abzuschätzen“, sagte Weil am Sonntag. „Viele Menschen, das ist unübersehbar, sind nach dieser langen Zeit zermürbt und sehnen ein Ende der vielen Einschränkungen herbei.“

Die Verbreitung von Mutanten bereit Sorgen, die Hoffnungszeichen würden aber auch immer deutlicher, betonte Weil. Die Zahl der Menschen, die infolge der Erkrankung sterben, gehe vor allem aufgrund der Impfungen in Alten- und Pflegeheimen zurück.

Am Sonntag wurden in Niedersachsen 740 neue Corona-Fälle gemeldet, teilte das Gesundheitsministerium in Hannover mit. Die Durchschnittsfallzahlen der vergangenen Tage deuten darauf hin, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit einer leichten Tendenz nach oben stagniert.

Die sogenannte Inzidenz lag am Sonntag bei 67,2 auf 100 000 Einwohner binnen einer Woche und damit leicht höher als im bundesweiten Durchschnitt, der laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 63,8 lag. Geimpft wurden in Niedersachsen nach den jüngsten Angaben des RKI bis Freitagabend 4,5 Prozent aller Bürger - der Bundesschnitt lag bei 4,7 Prozent.

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Insgesamt starben seit Ausbruch der Krankheit in Niedersachsen vor genau einem Jahr 4292 Menschen daran. Am 29. Februar 2020 war der erste Corona-Fall in Niedersachsen bestätigt worden, betroffen war damals ein 68-jähriger Mann aus Uetze bei Hannover. Er war der erste von mittlerweile rund 165 000 Infizierten.

Den höchsten Inzidenzwert meldete am Sonntag der Landkreis Cloppenburg mit 145,9 - der Kreis im Westen des Landes hatte seit Beginn der zweiten Welle stets mit die höchsten Werte. Ähnlich sieht es im Landkreis Wesermarsch aus mit einer Inzidenz von 142,2. Dahinter folgen der Kreis Leer mit 124,2 und der Kreis Vechta mit 116,2. Die Stadt Salzgitter hatte einen Wert von 107,4, in der Region Hannover betrug er 100,7.

In Bremerhaven wurde am Samstag mit 207,2 die kritische Marke der 200er-Inzidenz überschritten. Ob die Corona-Regeln verschärft werden, soll dort erst zu Wochenbeginn im Krisenstab diskutiert werden. Schnellschüsse werde es nicht geben, versicherte Oberbürgermeister Melf Grantz. Das 60 Kilometer entfernte Bremen meldete einen 7-Tage-Wert von 57,1.

Berit Lange vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum zeigte sich beunruhigt über die Pandemie-Lage in Niedersachsen. Sie appellierte an die Landkreise mit hohen Corona-Infektionszahlen, nicht vor härteren Einschränkungen auf kommunaler Ebene zurückzuschrecken. „Die Entwicklung in Niedersachsen ist besorgniserregend“, sagte die Wissenschaftlerin aus Braunschweig. „Die Infektionszahlen sind nicht in dem Maße gefallen wie in anderen Bundesländern.“

In den letzten Wochen sei in Niedersachsen eine Seitwärtsbewegung zu beobachten gewesen. „Wir haben Städte und Landkreise mit niedrigen Inzidenzen, aber auch solche mit deutlich höheren Werten sowie einem hohen R-Wert“, sagte Lange. Der R-Wert, also die Reproduktionszahl, gibt an, wie viele Menschen jeder Infizierte im Durchschnitt ansteckt.

„Wenn die Infektionszahlen nach oben gehen, wenn die Reproduktionszahl über 1 liegt und die Positivrate hoch ist, muss ich als Stadt oder Landkreis aktiv werden - auch wenn es schon überregionale Einschränkungen gibt, da diese ja offensichtlich nicht ausreichend sind“, sagte die Forscherin. „Je später ich damit anfange, umso mehr Infektionsfälle, schwere Verläufe und Todesfälle habe ich noch für einige Wochen.“

So habe die Region Hannover ihre hohen Infektionszahlen bisher nicht deutlich drücken können. Lange sagte: „Andere Städte wie Flensburg, die stark von der britischen Variante betroffen sind, haben allerdings ihre Einschränkungen auf örtlicher Ebene verschärft.“

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