Brüssel Ursula von der Leyen hat in Brüssel noch nicht allzu viel falsch gemacht. Geschmeidig und nervenstark gewann die frühere deutsche Verteidigungsministerin im Sommer im Europaparlament ihre Wahl zur EU-Kommissionspräsidentin – wenn auch sehr knapp. Dann arbeitete sie sich geräuschlos ein und präsentierte Anfang September ein ausgebufftes Personalpaket für ihre neue Kommission. Und trotzdem steckt die designierte Präsidentin im Schlamassel. Ab Montag grillen die zuständigen Parlamentsausschüsse ihre Nominierten, und dabei kann für von der Leyen einiges schiefgehen.

Für zwei ihrer 26 nominierten EU-Kommissare ist wohl schon Schluss, bevor es angefangen hat. Der Parlaments-Rechtsausschuss attestierte dem Ungarn Laszlo Trocsanyi und der Rumänin Rovana Plumb finanzielle Interessenkonflikte, die sich nicht ausräumen lassen: Für den Job des EU-Kommissars seien sie ungeeignet. Parlamentspräsident David Sassoli bat zwar noch um Klarstellung – aber wahrscheinlich werden Trocsanyi und Plumb keine EU-Kommissare. In den Anhörungen könnten weitere Kandidaten aussortiert werden. Abgeordnete melden Vorbehalte gegen fünf bis sieben weitere Anwärter an. Bei einem von ihnen, dem Polen Janusz Wojciechowski, fand die Anti-Betrugs-Behörde Olaf Unregelmäßigkeiten in Reiseabrechnungen, empfahl aber nur eine Rückzahlung und keine strafrechtlichen Schritte. Das Parlament nimmt die Prüfung der Kandidaten sehr ernst – und stellt sich ihr mit grimmiger Entschlossenheit und generalstabsmäßiger Planung. Drei Stunden lang nehmen die Abgeordneten jeden designierten Kommissar in die Mangel, bis zum 8. Oktober. Danach stellen sie jedem ein Zeugnis aus.

„Die Anhörungen sind ein wichtiger Moment europäischer Demokratie“, meint der Grüne Sven Giegold. Bei von der Leyens eigener Nominierung wurde das Parlament übergangen, das stößt vielen Abgeordneten noch immer bitter auf.

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