Bremen /Hannover CDU-Herausforderer Carsten Meyer-Heder hat alle Christdemokraten schon mal für den 27. Mai 2019 zum Kaffeetrinken ins schmucke Bremer Rathaus eingeladen. „Sie können sicher sein, wir kommen alle ins Rathaus! Sorgen Sie mal dafür, dass da genügend Platz ist“, versprach ihm Annegret Kramp-Karrenbauer Ende November, als sie noch auf Kandidatentour in Bremen war. Auch als CDU-Chefin würde sie wohl nur allzu gern kommen, wenn der CDU bei der Wahl am 26. Mai das gelänge, was sie seit über 70 Jahren nicht geschafft hat: stärkste Kraft im kleinsten deutschen Bundesland zu werden und den Bürgermeister zu stellen.

Der Stadtstaat gehört zum norddeutschen Umfeld, das mit Ausnahme Schleswig-Holsteins für die SPD durchaus so etwas wie Stammland ist. In Hamburg regiert Rot/Grün, in Niedersachsen führt SPD-Ministerpräsident Stephan Weil eine rot-schwarze Koalition und in Mecklenburg-Vorpommern steht Regierungschefin Manuela Schwesig einem ebenfalls rot-schwarzen Bündnis vor. Niedersachsen ist nach dem Verlust der früheren SPD-Hochburg Nordrhein-Westfalen 2017 zudem zum Vorzeigemodell für die Partei avanciert.

Der Sozialdemokrat Weil regiert seit 2013 in Niedersachsen. Er ist der einzige Politiker, der der SPD in ihrem Horrorjahr 2017 einen Wahlsieg beschert hat. Bei der Landtagswahl im Oktober 2017 erhielt die SPD nach einer spektakulären Aufholjagd gegen die CDU 36,9 Prozent. Aktuelle Umfragen sehen die SPD in Niedersachsen derzeit zwar nur bei 26 Prozent, und auch Weil räumt bescheiden ein, dass ein Wahlsieg wie vor einem Jahr heute schwierig wäre. Trotzdem: Auch dieser Umfragewert liegt deutlich über dem der Bundes-SPD, die zwischen 14 und 17 Prozent dahindümpelt.

Gern betont der Ministerpräsident, dass die von ihm geführte Große Koalition in Hannover funktioniert – anders als in Berlin. „Stephan Weil hat Ausstrahlung und verkörpert den Wunsch vieler Wähler nach Stabilität. (SPD-Innenminister) Boris Pistorius ist der Mann für Recht und Ordnung“, sagt der Hamburger Parteienforscher Elmar Wiesendahl über das Erfolgsduo, das in Talkshows sehr gefragt ist.

Zum Bekanntheitsgrad von Weil & Co. hat es Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) noch nicht gebracht. Mit rund 680 000 Einwohnern ist Bremen kein richtiges Schwergewicht unter den Bundesländern. Aber Sieling steht an der Weser in direkter Folge einer Ahnengalerie sozialdemokratischer Bürgermeister, von denen vor allem der 2016 verstorbene Hans Koschnick und Henning Scherf (80) über Bremen hinaus bekannt sind. Dass die SPD in Bremen siegt, ist dabei kein Selbstläufer. „Einmal war es ziemlich knapp“, sagt Sieling, der auf 1995 verweist, als die SPD bei der Wahl mit 33,4 Prozent nur hauchdünn um 0,8 Prozentpunkte vor der CDU (32,6) lag.

2015 war der Abstand deutlicher: 32,8 Prozent für die SPD, 22,4 Prozent für die Union. Obwohl das ein Negativ-Rekord für die SPD war, konnte Rot/Grün weiterregieren und das seitdem in dritter Legislaturperiode. Umfragen sahen CDU und SPD im Sommer nah beieinander, aber jeweils unter 30 Prozent. Die Zeit für Zweier-Bündnisse könnte aber auch in Bremen vorbei sein. Die oppositionelle Linke kann sich durchaus Rot/Rot/Grün vorstellen. An solchen Spekulationen beteiligt sich Sieling nicht: „Über mögliche Koalitionspartner reden wir nach der Wahl, und dann reden wir mit jedem, außer mit einer AfD.“

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