Bremen /Berlin Kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Clans bleiben im Fokus der Ermittler. In Bremen wurde nun einer der führenden Köpfe einer libanesischen Großfamilie abgeschoben, aber das ist nicht alles.

Bei dem Abgeschobenen soll es sich laut „Weser-Kurier“ um den 46-jährigen Ibrahim Miri handeln. Das Clan-Oberhaupt kam mit 13 Jahren aus dem Libanon nach Bremen, gilt aber als staatenlos – und die Behörden der Hansestadt versuchen schon seit mehreren Jahren, ihn abzuschieben. Ibrahim Miri, der Chef des mittlerweile verbotenen Rockerclubs Mongols MC war, stand schon mehrfach vor Gericht und wurde unter anderem 2014 wegen Drogenhandels zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, erhielt aber schon 2017 die Möglichkeit auf Freigänge. Das Clan-Oberhaupt war in der Nacht zu Mittwoch zu Hause festgenommen worden.

Nach der gelungenen Abschiebung will die Bremer Polizei nun weiter eine Null-Toleranz-Strategie bei Regelverstößen von Clanmitgliedern fahren. Das kündigte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Bremen an. 2010 erarbeitete Bremen bereits ein Konzept zur Bekämpfung von Clankriminalität.

Auch Andreas Geisel (SPD), Innensenator von Berlin, wo Clan-Kriminalität ebenfalls ein großes Thema ist, betonte am Donnerstag, dass man in der Hauptstadt den eingeschlagenen Weg konsequent weiter gehen und „den Druck auf die organisierte Kriminalität hochhalten“ werde. Eine Linie, die vielerorts gefahren wird. Erst im Juni hatte sich die Innenministerkonferenz verständigt, den Druck auf kriminelle Clan-Mitglieder zu erhöhen.

Die meisten Familienclans, die in Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durch Betrug, Erpressung, Einbrüche, Drogenhandel und andere kriminelle Machenschaften auffallen, sind arabischer oder kurdischer Herkunft. Vor der Einwanderung nach Deutschland lebten sie vorwiegend im Libanon oder in der Türkei.

Der Kampf gegen die Strukturen und die organisierte Kriminalität wird derweil auf verschiedene Arten geführt. So waren vor rund einem Jahr 77 Immobilien in Berlin und Brandenburg beschlagnahmt worden, die einer Großfamilie gehören sollen. Inzwischen wird gegen 20 Verdächtige ermittelt. Nach der Beschlagnahmung der Häuser und Wohnungen haben mehrere Beschuldigte Einspruch vor Gericht eingelegt, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber der DPA erläuterte. Eine Prognose zum Abschluss der 2016 begonnenen Geldwäsche-Untersuchungen könne nicht abgegeben werden. Kein Verdächtiger sitze bislang in Untersuchungshaft, auch eine Anklage sei noch nicht in Sicht.

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.