Bonn Christian Wulff sagte Schloss Bellevue gleich mit vier Liedern Lebewohl, Gerhard Schröder ließ sich mit Sinatras „My Way“ aus dem Kanzleramt geleiten, während Gustav Heinemann statt mit Militärmusik lieber bei einer Rheinschifffahrt Abschied nahm. Und Ursula von der Leyen geht mit Mozart, Beethoven – und den Scorpions.

Immer wenn Bundespräsidenten, Bundeskanzler oder Verteidigungsminister aus dem Amt gehen, ist der Große Zapfenstreich angesagt. So auch am Donnerstag, wenn von der Leyen mit Deutschlands höchstem militärischen Zeremoniell als Verteidigungsministerin verabschiedet wird, bevor sie am 1. November als EU-Kommissionspräsidentin nach Brüssel wechselt. In beiden Ämtern war und ist sie die erste Frau und durchbrach damit Konventionen. Der Große Zapfenstreich dagegen hat eine lange Tradition.

In seiner heutigen Form ist das rund 20-minütige Ritual fast 200 Jahre alt, während der Begriff „Zapfenstreich“ sogar auf das 16. Jahrhundert zurückgeht: Um die Soldaten abends ins Feldlager zu rufen, ging ein Offizier samt Trommler oder Pfeifer durch die Wirtshäuser und schlug auf den Zapfen des Fasses. Dann durfte der Wirt nicht mehr ausschänken, die Soldaten mussten bei Strafandrohung ins Lager zurück.

Der stilisierte Brauch wird heutzutage meist vor Schloss Bellevue abgehalten oder – wie für von der Leyen – vor dem Bendlerblock als Sitz des Verteidigungsministeriums. Stabsmusikkorps der Bundeswehr, Soldaten mit Gewehr sowie Fackelträger marschieren vor der zu ehrenden Persönlichkeit auf. Neben dem Yorckschen Marsch, dem von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. während der Befreiungskriege 1813 eingefügten „Gebet“ und verschiedenen festgelegten Kommandos und Signalen sowie der Nationalhymne gehört vor allem die „Serenade“ dazu, meist drei Musikstücke, die der Geehrte auswählen darf.

Von der Leyen hat sich für den Wendezeit-Hit „Wind of Change“ der Hannoveraner Rockband „Scorpions“ entschieden, wie das Ministerium bestätigte. Außerdem wünscht sich die evangelische Christin Mozarts sehr getragene Version des „Ave Verum“. Und schließlich soll für die künftige EU-Kommissionspräsidentin die Europahymne „Ode an die Freude“ aus Beethovens Neunter erklingen.

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