Berlin Andrea Nahles platzt der Kragen: „Mutwillig“ werde das Sondierungsresultat zerpflückt, schimpft die SPD-Fraktionschefin am Montag. „Es scheint einen harten Kern von Gegnern zu geben, der sich um die Jusos geschart hat. Sie müssen sich die Frage stellen: Was ist die ehrliche Alternative? Das sind Neuwahlen. Womit wollen die denn Wahlkampf machen, wenn all das, was wir in einer erneuten Groko jetzt durchsetzen könnten, nicht reicht?“ Die Jusos wollten „Fundamentalopposition“ machen, knöpft sich Nahles den Parteinachwuchs vor. „Das kann nicht die Linie der SPD sein.“

Riesiger Groko-Zoff: Kann es Nahles und Parteichef Martin Schulz noch gelingen, bis zum kommenden Sonntag die Mehrheit der 600 Delegierten auf ihre Seite zu ziehen und von einem „Ja“ zur Neuauflage von Schwarz/Rot zu überzeugen – bevor dann am Ende noch die Basis zustimmen müsste?

Schicksalswoche für die SPD – und auch für die Union und Kanzlerin Angela Merkel, die bei einem Abbruch der Regierungsbildung einen massiven Autoritätsverlust zu befürchten hätte. Merkel kann nur abwarten, die CDU-Gremien haben schon grünes Licht gegeben. Auch der CSU-Vorstand billigte am Montag das Sondierungsergebnis ohne Murren.

Martin Schulz schaltete Montagabend auf Attacke, wirbt vor der Basis in Dortmund für die Groko, an diesem Dienstag geht es in Düsseldorf weiter. NRW stellt am Sonntag 144 Delegierte, ist damit der mit Abstand wichtigste Landesverband. Landeschef Michael Groschek – auch kein Freund von Schwarz/Rot – ist inzwischen auf Schulz’ Linie eingeschwenkt und müht sich, die Kritiker zu mäßigen: „Wir dürfen nicht mehr versprechen, als wir am Ende halten können.“

Martin Schulz in Nöten – bei der CSU sorgt das inzwischen für Mitgefühl. „Als langjähriger Politiker weiß ich, dass solche Prozesse in einer so gebeutelten Partei normal sind“, sendet CSU-Chef Horst Seehofer Solidaritätsbekundungen an Schulz. Er betrachte die Diskussion der Genossen „mit Respekt“, sagt Seehofer und distanziert sich damit von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der sich über einen „Zwergenaufstand“ der Jusos mokiert hatte.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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